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Archive for Juli 2012

Interessante Argumentation  von Prof. Dr. Doris Elbers, Berlin
vormals Fachbereich Sondererziehung und Rehabilitation
Lehrstuhl Berufspädagogik bei Behinderten

in einem Offenen Brief an die Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in NRW

 Laut Prof. Elbers verhindern Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen Inklusion, da sie aus Kindern behinderte Schüler mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“ machen.  Sie kritisiert die Veränderung  des Artikels 24 der UN-Konvention durch die KMK und plädiert für eine Abschaffung der Sonderpädagogik.

Ja, im Prinzip kann eine inklusive Pädagogik keine Sonderpädagogik beeinhalten. Da jedem Schüler individuelle Förderung,  und damit gerechte Chance zur Teilhabe an einem selbstbestimmten Leben zusteht. Schulen müssen den Rahmen schaffen.

s. letzte Blogbeiträge

Ob nun die Sonderpädagogen an „ihren Pfründen“ festhalten wollen, bezweifel ich.  Ich erlebe in der Praxis sehr aufgeschlossene, kreative Sonderpädagoginnen und -pädagogen, die in guten Teamkonzepten mit Regelschullehrerinnen und -lehrern „gute Schule“  machen. Ich erlebe auch Regelschulen im Umbruch, die bei laufendem Betrieb, ausgerichtet auf Fachlehrer und 45-Minuten-Taktung nun umstrukturieren (müssen). Das schafft Unruhe und Konflikte. Hier wird der wirklichen Veränderung in den Köpfen und Herzen wenig Zeit gelassen.  Den Sonderpädagogen mangelt es nicht an Arbeit in Schulen, sondern am Raum.

Meines Erachtens sollte das „sonderpädagogische“ Fachwissen als  ein pädagogisch-psychologisch-medizinisches Grundlagenwissen für jeden Menschen, der ein Lehramtsstudium anstrebt, verbindlich sein.

Denn heterogene Lerngruppen, …SchülerInnen mit körperlichen Beeinträchtigungen, Autismus, ADHS, Aggressionen, massiven Verhaltensstörungen, Absentismus, schwierige Elterngespräche,  Kindeswohlgefährdungsverdacht, Assistenzbedarf …. gibt es nicht nur in der Sonderschule, sondern überall.

Hier geht´s zum  Artikel:

http://bit.ly/Mk8ppT

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Schule und Kultur? Ach, ja! Tief durchatmen. Klaren Geist behalten. Die Begriffe gehören zusammen. Irgendwie.

Was sagt eigentlich unsere Göttin des Wissens 2.0 Wikipedia zum Thema ? #Iphone.#Klick, wisch. #Mal sehen.

Kultur: lat. „cultura“-  Bearbeitung, Pflege, den Acker bestellen  von  colere: wohnen, pflegen, verehren-Kultur sei alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt. „ (http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur)

Schule: „lat. schola- Ursprungsbedeutung: „freie Zeit“ – Schule ist eine Institution, deren Aufgabe das Lehren und Lernen ist, also die Vermittlung von Wissen und Können durch Lehrer an Schüler.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Schule)

Freie Zeit? Bitte? Liebe Wikipedia, woher hast du dieses Wissen? Aus Erfahrung sicher nicht, wo doch jeder weiß wie unfrei unsere stets bewertete Zeit in der Schule ist.

Wie wahr und gut und ästhetisch könnte unser Leben sein, wenn in unseren Schulen landauf, landab freie Zeit für die selbsttätige Gestaltung wohnen dürfte, freie Zeit für die Störungen eingeplant, die Kinder gepflegt und bei der Bearbeitung ihres persönlichen Ackers auf dem Weg zum kompetenten Bürger begleitet würden. Trockene Landschaften bedürften mehr Bewässerung, Üppiges, fruchtbares Land könnte Ableger bilden.  Kulturlandschaften eben. Vielfalt.

Kultur und Schule. Zusammen, was zusammen gehört.

2009 ist diese Vision einer „KulturSchule“ im 3. Band der Publikationen des BKJ  (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung) unter dem Titel„Kulturelle Schulentwicklung“ ausführlich beschrieben worden. (http://www.bkj.de/pub./magazin-kulturelle-bildung.html)

Doch Ackerpflege braucht Zeit. Der am 27.Juni in Berlin vorgestellte vierte nationale Bildungsbericht 2012  hatte eben jene Teil-Bildung  (?) zum Schwerpunktthema. Unbestritten positiv äußern sich Experten zur sozialen Wertschöpfung: „Kulturelle Bildung“ sei ein Schlüssel zu mehr Teilhabegerechtigkeit und zentral für die Persönlichkeitsentwicklung.

Besonders Ganztagsschulen stehen im Fokus, bieten sie doch „nicht sozial selektiv“ die Chance, Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten mit Angeboten kultureller Bildung in Kontakt zu bringen.

Zwar zeigt die Datenlage „eine Glatze“ bezüglich der Erhebung „Kultureller Aktivitäten“  an Schulen, dennoch sei das Interesse jugendlicher Menschen groß.(vgl. www.bkj.de/all/artikel/id/632.html)

Kultur und Schule. Ach ja, Tief durchatmen.

Spätestens seit dem öffentlichkeitswirksamen Film „Rhythm is it“  dürfte doch jedem Lehrer glasklar geworden sein, dass alles möglich ist mit Schülern durch ÄSTHETISCHE Bildung- Musik, Theater, Kunst.  Studien zeigen, dass Schüler, die in Mathe schlecht sind und in Musik gut nicht besser werden, wenn man Musik vernachlässigt und mehr Mathe paukt. Sondern Mathe lässt und Musik fördert. Das passt irgendwie nicht in unser kulturell vererbtes Leistungsdenken.

Doch burn-out-gefährdete engagierte und visionäre Kunst-Musik-Darstellende Kunst -Praktiker aller Schulen zeigen es auch allerorten als versteckte best-practise. Diejenigen Schulen schneiden bei PISA am besten ab, die Kultureller Bildung  einen ebenso großen Raum geben wie dem Erwerb von Faktenwissen.  Die Nase vorn in Deutschland haben Schulen wie die ESBZ, die aus dem Wissen um die Bedürfnisse des jungen Menschen ein Netz stricken, welches genug Maschen hat, um zu halten: Aufgeschlossene mutige Lehrerinnen und Lehrer als Mentorinnen und Mentoren, voran eine offene Schulleitung, ein Raumkonzept in Bewegung, Zeitliche Rhytmisierung,  Wissensangebot durch Methodenvielfalt und Nutzung moderner Technik und genug Luft dazwischen für die eigene Entwicklung: intrinsische Motivation durch konsequente Teilhabe an eigenen Projekten, Herausforderung als Prinzip.  Schülerinnen und Schüler geben über die Landesgrenzen hinaus Fortbildungen für Lehrkräfte. Die Ergebnisse des vision summit 2012 begeistern. Strike!

Ich wiederhole ich mich in diesem Blog. Ich bitte um Entschuldigung. Doch irgendwie wiederholen sich auch die Schlagzeilen über unsere Bildungsmisere. Bitte, bitte, gibt es dort draußen noch mehr Menschen, die etwas WOLLEN?  Die vom Bildungsbewusstsein über Bildungserkenntnis zum Bildungshandeln kommen und nicht im Bildungsparlieren steckenbleiben möchten? Föderalismusübergreifend?   Der Mensch ist doch in Bayern entwicklungspsychologisch nicht schneller als in Hessen? Oder ist dort das erste Wort nicht Mama, sondern Gymnasium?

Der Mensch lernt immer, schon vorgeburtlich, da sein Gehirn stets Reize seiner belebten und unbelebten Umwelt verarbeitet und verknüpft. Eine subjektive Bedeutsamkeit  basierend auf genetischen Bedingungen den Bedingungen seiner Umwelt und den ihm entgegengebrachten Werten seiner Gemeinschaft formen seine emotionalen Erfahrungen und legen neuronale Muster fest. Verbunden ist diese neurophysiologische Netzwerktätigkeit stets mit der Wechselwirkung mit anderen Individuen seiner sozialen Gemeinschaft. Aus diesen Verknüpfungen der Verknüpfungen resultieren seine Erfahrungen. Durch Versprachlichung dieser Erfahrungen ist er in der Lage darüber zu raisonieren und schafft neue Verknüpfungen. Er drückt sich aus, er stößt an Grenzen, seine eigenen und die seines Gegenübers, seiner Gemeinschaft.  Er ist Mensch. Ein Ich und wird zum Menschen über das Du. Ein Teil einer Gesellschaft, die sich weiterentwickelt und ein ganzer Mensch, der sich weiterentwickelt.

Mensch und Gesellschaft ? Schule und Kultur?

Ich und Wir? Freie Zeit und Alles, was der Mensch gestaltend hervorbringt.

Ich hätte da eine bescheidene Idee für Schulentwickler. Vielleicht auch eine praktische Vision. Lehrplaninhalte und Kulturelle Bildung verknüpfend, also Zwangsaufenthaltsort Schule meets Gedankenfreiheit:

Schaffe den Rahmen, den Raum, schenke angemessene Zeit, gib Ressourcen (Menschen und Material), gib jedem jungen Menschen als Kultur-Teilnehmer die Chance auch ein Kultur-Teilgeber zu sein. Lass die Wissensthemen von einem „Ding an sich“ zu einem „Ding für mich“ werden, wie schon Dewey und Kilpatrick vor 100 Jahren forderten.  Lass den Prozess zu, sei offen für kreative Ideen und ein Handlungsprodukt, welches du noch nicht kennst. Weil es innovativ und individuell für die einzelnen Teilnehmer und die Gruppe ist.

Schaffe Kultur! Berücksichtige Vielfalt! Lebe Inklusion!

Was Pädagogen auf innovativen Kongressen begeistert kann doch für Schüler nicht falsch sein, oder ?  Es berücksichtigt neurophysiologische und soziale Dimensionen des Lernens wie:

Neugier- Eu-Stress- Dis-Stress- Herausforderung-Beziehung-Wertschätzung-Flow

O.K. der Lernvorgang ist nicht wirklich operationalisierbar, die einzelnen Lernschritte nicht vorhersehbar, der unterrichtliche Dreischritt kaum einsetzbar, 45-Minuten-Rhythmus auch selten einhaltbar,  das Ergebnis nicht kontrollierbar – doch-  Schüler häufig unerhört motiviert, der Lerngegenstand aus neuen Perspektiven verstehbar, die Arbeitsatmosphäre bisweilen höchst anstrengend chaotisch bis  konzentriert, die uneingeforderten Reflexionen betroffen machend.

Hoffnung bietet der Wieder-Einzug der „Kulturellen Bildung“  in Schule,  eine Chance für eine neue Schulkultur. Dann, wenn „Kulturelle Bildung“ den Fächerkanon aufweicht, wenn im Unterricht übergreifend thematische und methodische Vernetzungen hergestellt werden, wenn sie zu einer anderen Rhythmisierung, Raumorientierung und Beziehungsqualität führt. Wenn sie den Menschen pflegt. Wenn Frei-Zeit-Kultur auch vormittags stattfindet.

Wenn „Kulturelle Bildung“ alledings abgespalten am Nachmittag der offenen Ganztagschule als Ausgleich für den 45-Minuten-Unterricht der Kernfächer herhalten muss, dann…

 

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