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Archive for Mai 2013

Lautgedachtes zum Begriff „bildungsfern“

Letztens ertappte ich mich auf einer Sitzung zur Berufsorientierung beim kollektiven Abnicken.  Es ging um die Schwierigkeit der Eingliederung von Schülern aus „bildungsfernen“ Familien in den ersten Arbeitsmarkt.

Auf dem Nachhauseweg stolperte ich über „bildungsfern“. Das klingt so absichtsvoll.  So, als ob diese „bildungsfernen“ Familien sich entschieden hätten, sich von dieser Bildung fernzuhalten.

Wie kann Bildung fern sein?

Eine kleine Twitterumfrage zu diesem Thema ergab folgende Antworten:

@lammatini schrieb: #bildungsfern ist für mich auch, unkritisch einem Bildungsbegriff aus fernen, längst vergangenen Zeiten anzuhängen.

Allerdings.Ich glaube, das Problem ist hier die Objektorientierung. „Bildungsfern“ bedeutet nämlich inso-fern,  dass draußen in der Umwelt vorher-bestimmte Bildungsgegenstände herumliegen, die es zu sammeln und sortieren gilt. Wieso sammeln die „Bildungsfernen“ diese Gegenstände nicht? Wollen sie nicht?   Können Sie nicht?

@AnnaHBTC meint: #bildungsfern ist, wer keine Chance hat an Bildung zu kommen. „bildungsfern“  also als Synonym für chancenlos? Da fällt mir die Sinus Studie ein, die unsere Gesellschaft in kleine amorphe Bubbles aufteilt. „Eine Segmentation mit Übergängen“ wird es dort beschrieben, hier die Performer, da die resignierte Unterschicht. Sind die Bildungsgegenstände in den Milieu-bubbles eingeschlossen?  Sind manche Familien deshalb als „bildungsfern“ zu bezeichnen, weil der Übergang zu weit ist?

Der Unterschied, der den Unterschied macht.  Hatte Grobi mir im Bildungs-fern-sehen vor 40 Jahren nicht deutlich veranschaulicht, wie weit der Weg ist zwischen „das hier ist nah“ und „das hier ist fern“?
@mons7 meint:#bildungsfern ist, staatliche Zertifizierungen und Analoga nicht als wertvoll und/oder relevant anerzuerkennen -> informelles Lernen >> formales Lernen

In diesem Sinne können die Schüler meiner Oberstufenklasse eines Förderzentrums  nicht „bildungsfern“ sein, wenn sie ständig ihre Handys benutzen, um youtube-Videos „downzuloaden“ und sich auf facebook und whatsapp Nachrichten über den Fortgang ihres Betriebspraktikums schicken? Das ist doch informelles Lernen im digitalen Zeitalter. Sie haben den Markpfeiler von Bildung erkannt: Bindung, sie bilden Netzwerke, Gruppen und zeigen sich wie´s geht durch peer to peer education. Ist es nicht das, was wir wollen von SchülerInnen? Forschen, Handeln, Lernen? Da liegt Bildung doch nah.

Lebensweltbezug ist das Zauberwort. Die Bildungsgegenstände meines bubbles bilden mich, bilden sich ab in meinen Gedanken, meiner Sprache, meinen Handlungen. Bildungsfern gibt es nicht, wenn ein Ding an sich zu einem Ding für mich wird.

„Bildungsfern“ bedeutet bubblestechnisch also: Deine für dich definierten Dinge an sich nehme ich nicht als Bildung wahr. Meine für mich definierten Dinge an sich, teile ich andererseits nicht so gern mit dir, damit daraus ein Ding für dich werden soll.

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