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Archive for Juni 2013

Dieses Jahr war das Jahr des Wunders im Circus Claudini. IMG_3175

Das Wetter war perfekt.  Das traumhafte Team war vollständig.  Alle Kinder waren gesund.

Der Wind war lau.  Der Regen war im Urlaub.

Eine neue digitale Licht- und Soundanlage, von der Landesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung ausgeliehen, ließ uns erst zittern und funktionierte dann sehr freundlich.

Ich war im Flow.

Circus Claudini.  Einige Tage in meinem Lehrerinnenleben wache ich morgens in einem Zirkuszelt auf. Alles nur, weil eine Freundin, die einen Jugendtreff leitete, mich vor 15 Jahren bat, sie bei einem Wochenend-Projekt  für 4. Klässler zur Sucht- und Gewaltprävention zu unterstützen, „Du kannst das, dir fällt schon was ein“.  Ich bin hängengeblieben. An den Möglichkeiten, an den Zwischenräumen, die sich bieten. Inzwischen gibt es den Circus Claudini seit 6 Jahren an meiner Schule. Ich habe ihn von meiner Freundin übernommen. Zirkus ist Kulturelle Bildung. Zirkus ist lebendig. Und ich schlafe im Wohnwagen mit einer Kollegin, um das Zelt zu bewachen. Lebens-und Lernort Schule.

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Ein Mann im ZirkusT-Shirt schmückt die Masten mit Wimpeln

Ich bin begeistert von der Gestaltung einer fiktiven Wirklichkeit, die dann für die Kinder und uns unsere Wirklichkeit wird, die wir mit unseren Zuschauern teilen.

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Ein Ablaufplan hängt im Deckel einer großen Requisitenliste.

Regenwurmakrobatik habe ich vorher noch nie gesehen, doch dadurch, dass wir unsere Schüler befragen, was sie sich vorstellen können, kommen völlig neue Ideen und Konzepte, die wir ermöglichen.

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Kinder des Circus tanzen spontan in der Manege.

Man kann unseren Kindern in aufwändigen Kostümen und geschminkt, keinen Punkt auf die Stirn kleben, wer beeinträchtigt ist und wer nicht. Das war schon immer ein inklusives Element des Circus Claudini. Diesmal hat mich eine Situation besonders berührt: als alle Kinder vor der Premiere in ihrer Startbekleidung ins Zelt gerufen wurden, probierte die Technik gerade alle Lieder durch, bei „Shine bright like a diamond“ haben dann alle Artisten spontan die Manege gestürmt und die Choreographie der Tanzgruppe gezeigt.  Alle tanzten, alle lachten und sangen. Kein Pädagoge hat das motivieren müssen. Unbewusst haben die Kinder uns gezeigt, was wir uns für sie wünschten: Sei mutig! Leuchte!

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Viele Menschen stehen um eine schwere, bunte Zeltplane, um sie einzurollen.

Und dann das Wunder der Inklusion im Gemeinwesen. Wenn am Montag um 7.30 h die ersten Männer mit ALG II vor dem Schultor von einem Bein aufs andere treten , dann weiß man: Zeltaufbau ist heute.  Und wenn dieselben Männer am Samstag um 7.30 h dort wieder stehen, dann ist es Zeit, den Abbau zu beginnen.  Sie kommen freiwillig. Manche schon seit mehreren Jahren. Ein Teil vom Ganzen. Inklusion ist, wenn meine Schulleiterin beim Abbau neben diesen Männern das Zeltdach einrollt, weil das jetzt Sinn macht. Weil jeder hier wichtig ist.

Inklusion ist für mich auch, wenn das ganze Kollegium auf einmal anfängt circensische Disziplinen zu üben, um unserer Schulleiterin eine Zirkusvorstellung zu geben, da sie in den Ruhestand geht.  Vor 70 Gästen haben wir jongliert, Akrobatik gezeigt, sind Kugel gelaufen und Clowns gewesen.  Nichts war albern- Niveau inklusive.

Ich bin verwundert. Und doch nicht. Wie schafft es diese Manege alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft im gemeinsamen Ziel einer Produktion zu vereinen?

Was hier gelingt, wünschte ich mir häufiger für den schulischen Alltag. Inklusion!

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Viele Pinsel mit bunten Farben liegen bereit zum Schminken: Vielfalt

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Heute war es soweit: Das Zentrum für Lehrerbildung und das Jugendpfarramt der Nordkirche und das Pädagogisch Theologische Institut Hamburg als Kooperationspartner verliehen das Zertifikat “ Inklusive Schule“ an engagierte Studis, die in komplexen und lebensnahen Theorieblöcken  das Rüstzeug für Praxisprojekte erhielten.  Ja, es war eine emotionale Stunde.  Inklusion ist eben kein Lernfach. Es fielen Worte wie “ ich bin jetzt sensibilisiert, was den Blick auf Barrieren betrifft“ und “ ich wusste jetzt auch nicht, was ich da tun sollte, weil ich vorher nie diese Erfahrung hatte“, “ ich bin beeindruckt, wie offen die Bewohner waren“ , “ so ein Projekt macht Mut und Spaß“.

Herr Hase als Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen hat sehr anschaulich den Status quo der  Umsetzungen einzelner Paragraphen der UN-Konvention umschrieben und kritisch angemerkt, was mit dem Wort und der Praxis von Inklusion passiert.

Seltsamerweise inkludieren sich gerade die Behinderteneinrichtungen in die Gesellschaft. Das ist der paradoxe Weg. Eigentlich ist die „Gesellschaft“ doch aufgerufen, die Menschen in den Kreis mit den bunten Pünktchen zu holen. Wer ist hier offen für wen?

Herr Prof. Sielert führte uns in die Ästhetische Bildung, die uns vor Augen hielt, was fremd und was ausgegrenzt bedeutete. Das Kunst-Workshops nicht helfen, Mauern zwischen Menschen unterschiedlicher Gesinnung einzureißen.  Das Kunst-Workshops helfen Mauern zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft einzureißen.

Deutlich wurde, dass wir am Beginn des Anfangs von Inklusion stehen. Deutliche Worte fielen auch zur Inklusion in Schule und der Profession der Sonderpädagogik.  Es ist schon eine seltsame Logik, dass mit Einverleibung der Förderschüler in Regelschulen, der sonderpädagogische Förderbedarf verschwindet.

In der Praxis sieht es anders aus.  – Wie oft kann man Inklusion eigentlich beginnen?

Mit jedem Tag und jedem Menschen wahrscheinlich täglich aufs Neue.  Die Studierenden haben begeistert von ihren Praxisprojekten erzählt und reflektiert, wie bedeutsam diese Begegnungen für sie waren.

Dafür gibt´s keine credit points, aber vielleicht ist es für die eine und die andere angehende Gymnasiallehrerin ein tipping point, um etwas ins Rollen zu bringen.

Erfahrung inklusive.

 

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