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Chinesische Delegation

Das Leben ist spannend.

Überall auf der Welt machen sich Menschen mit Bewusstheit für die Natur- und Umwelt auf, den leider schon reichlich abgelutschten Begriff der Nachhaltigen Entwicklung mit Leben zu füllen.

So auch in China.

Herr Wang vom Feifeitu Institut der Universität Peking/ Erfurt nahm Kontakt zum Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten auf.  Durch meine Freundin und Kollegin die Vorsitzende Ute Schulte Ostermann erfuhr er auch vom Konzept unserer  NaturSpielpädagogik am Institut für Weiterbildung der FH- Kiel.  Und schon war er begeistert vom Spiel in und mit der Natur als Erwachsenenbildung.  Aus erstem Interesse wurden Ideen, aus Ideen Wirklichkeit.

Und so kam es, dass ich vor zwei Wochen eine chinesische Delegation aus Kita-Leitungen und FrühpädagogInnen im Waldschulheim Glücksburg begrüßen  durfte und am nächsten Tag im Naturerlebnisraum Kollhorst mit Menschen in Resonanz ging, deren Sprache und Schrift mir völlig fremd ist.

Einen Vortrag zu halten mit einer Präsentation, die in chinesischen Schriftzeichen für die Delegation gut zu lesen ist, war für mich eine interessante Erfahrung. Und der praktische Teil unsres Workshops, der draußen im blühenden Garten stattfand, hat mich wieder einmal von den archetypischen Kräften des Spiels überzeugt.

Ich habe schon oft mit mir völlig fremden Menschen gespielt, gehandwerkt, getanzt und gelacht in unseren vielen Seminaren. Aber diesmal war es besonders. Da war die Sprachbarriere- die durch Simultanübersetzungen von Herrn Wang und Li Ping, einer Studentin der NaturSpielpädagogik für Ansagen an die Gruppe zum Glück gut abgepuffert werden konnte- aber von Mensch zu Mensch zu sprechen war ein Erlebnis. Es wirken dann andere „sprachliche“ Parameter wie Körperhaltung, Augenkontakt, Berührungen intensiver. Mit Händen und Füßen gesprochen hatte es dann auch Hand und Fuß.  Nach zwei Tagen verabschiedeten wir uns mit Umarmungen, die fest waren und von gemeinsamen Erfahrungen in der Natur und miteinander zeugten. Das macht Mut – trotz aller Nachrichten in dieser Zeit, in der das Andere, das Fremde mißtrauisch beäugt wird- sich zu besinnen, in Kontakt zu gehen, im Kontakt zu bleiben. Wir haben in der gemeinsamen Zeit festgestellt, dass wir alle die Natur brauchen und dringend etwas für sie tun müssen, damit wir alle eine Zukunft auf diesem Planeten haben.

Die chinesischen PädagogInnen schauten viele Natur- und Waldkindergärten  in Schleswig-Holstein an, besuchten eine Freie Naturschule in Niedersachsen und waren erstaunt und begeistert vom Lernort Natur. Und nun ist es an mir und Ute zu schauen, was für Möglichkeiten für die NaturSpielpädagogik in China liegen. Ute reist in drei Wochen und für mich heißt es im Januar dann Ni Hao!

Fazit der Delegation :

Was gibt es Schöneres, als Kindern unsere Natur in der Natur nahezu bringen, sie spielerisch zu entdecken, damit konkrete Erfahrungen zu machen, darüber Wissen zu erfahren und somit zu lernen, wie wir unsere Welt gestalten wollen und können ?

In Deutschland, in China und Anderswo … ?

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Im Waldschulheim Glücksburg gibt es einen Wasserspender in Form einer Metallsäule aus gebürstetem Edelstahl. Das ist total praktisch.Er filtert das Flensburger Leitungswasser, kühlt es und wenn man möchte, bekommt man es versprudelt. Wirklich lecker und eine gute Alternative zu hochkalorischen Süßgetränken.

Welche Kinder trinken schon liebend gern Wasser? In meinen früheren Klassen haben mich meine Schüler zunächst angeschaut, als hätte ich verlangt einen Schierlingsbecher zu trinken, wenn ich einen Krug mit Wasser auf den Tisch stellte. Lieber tranken sie zum Frühstück die blauen Limonaden in Wegwerfflaschen, erst als ich eine Verbindung zu Farbe und Geruch mit WC-Reinigern herstellte, war die Motivation etwas gebremst. Und da man in meinem Unterricht immer eine Pause für ein Glas Wasser machen durfte, tranken sie es dann immer öfter.

Ich hatte eben noch keinen Johnny. Mit Johnny lieben die Kinder Wasser. Bei allen Schülerinnen und Schülern steht auf ihrer Packliste ganz oben: 1 Getränkeflasche, mit dieser können sie sich den ganzen Tag über bei uns Wasser oder Sprudel zapfen.Und dass macht Spaß.

Leider geht da so manches nebenbei, der Überlauf der Metallingenieurskunst wird seinem Namen gerecht und es schwimmt am Fuße dann oft, so dass wir viel wischen.

Ich wollte dieses Problem lösen ohne Meckerei einer strengen Heimleitung…

Bei einer meiner ersten Klassenführungen durchs Haus hatte ich dann den Impuls dem Wasserspender einen Namen zu geben und seine Geschichte zu erzählen.

Johnny„Das ist Johnny! Er ist einer unserer stillen Mitarbeiter, die wunderbare Dienste tun. Johnny hat eine große Klappe. Wie man sieht. Er spendet das schönste, leckerste Wasser, was man sich denken kann, aber er hat ein kleines Problem und eigentlich mag er das gar nicht so gern, wenn ich es erzähle.“

ich halte der Stahlsäule dann an beiden Seiten die imaginären Ohren zu und erzähle flüsternd weiter

„Ich erzähle es Euch trotzdem, weil nur ihr ihm helfen könnt. Er sabbert!“

Ich freu mich jede Woche auf diese Stelle der Geschichte, erst sind die Augen der Schüler riesig groß und dann Entsetzen, UääH! Sabbern! Die Gesichter der Lehrkräfte spiegeln von Irritation bis verschwörerischem Schmunzeln alles wieder.

„Ja, er sabbert, jeder hat ja so sein kleines Handicap, oder?“  -Diesen kleinen versteckten inklusiven Input kann ich mir nicht verkneifen… und meistens nicken einige Kinder sehr bewusst an dieser Stelle.-

„Ihr könnt ihm helfen, wenn ihr nämlich die Flasche genau drunter stellt, dann läuft nix daneben! Wisst ihr, Johnny möchte nämlich cool sein,  weil er verknallt ist.“

-Wieder große Augen, wer kennt nicht die Phase in der 3. oder 4. Klasse mit den wunderbaren Zetteln: Willst du mit mir gehen? Ja? Nein? Vielleicht? Kreuze an!- Oft haben zarte Bande auf Klassenfahrten begonnen…-

„Er liebt Jenny!“

JennyIch gebe zu, ich habe sie erst ein paar Monate danach entdeckt als Pendant. Jenny, den Briefkastenschlitz genau gegenüber, durch den die Post in einen Kasten an der Wand in meinem Büro plumpst.

„Ja und sie liebt ihn auch. Sie schaut ihn den ganzen Tag an und sie hat auch eine große Klappe, also passen sie gut zusammen. Und deswegen ist es ihm so peinlich. Könnt ihr ihm helfen?

In der Spielpädagogik nennt man dies die Animationsform der betroffenen Figur, und die Imagination wirkt wirklich emotional.

„Jenny hat immer Hunger. Am liebsten frisst sie Postkarten, sie mag auch Briefe. Aber sie ist krüsch. Magst du alles? Genau! Sie mag es nur, wenn die Adresse stimmt und richtig frankiert ist, sonst spuckt sie mir die Briefe auf den Schreibtisch.“

Was stimmt, weil ich diese Post aussortiere und den Lehrkräften zurückgebe, wär doch schade, wenn die liebevollen Karten und Briefe an die Liebsten zuhause nicht ankommen, ich meine auch ohne Poststreik.

Die Kinder nehmen den sabbernden Johnny und die krüsche Jenny sofort an. Im Laufe der Woche kann ich bei offener Bürotür viele Ansprachen und Dialoge hören.

„Hallo Jenny!“, „Danke, Johnny!“  “ Die ist verknallt in ihn!“ „Echt?, ich bin in …“

Manche Kinder trauen sich gar nicht die Postkarte einzustecken, weil sie Angst haben, dass Jenny zubeißt.

Das ist das magische am Spiel und der Imaginationskraft. Es sind ein aufgemalter Wandbriefkasten und ein Wasserautomat aus gebürstetem Edelstahl. Und doch, sie sind Jenny und Johnny, haben Gesichter. Wem ich von Angesicht zu Angesicht begegnen kann, der ist für mich lebendig.

Entwicklungspsychologisch habe ich genau den Nagel auf den Kopf getroffen, in der 3./4. Klasse ist das magische Denken noch möglich, im höheren Schulklassenalter distanzieren sich die Schüler dann schon wieder von dieser Spielerei. Das ist  dann nicht cool genug. Dort erkläre ich es funktionaler und pragmatischer. Bei Erwachsenen ist es glaube ich eine Entscheidung. Spielt mein inneres Kind noch mit?

Seit einem Twitterprojekt mit Bea Beste und anderen weiß ich, dass das Phänomen Gesichter in Dingen zu sehen Pareidolie heißt und es viele Menschen gibt, die Augen dafür haben, die dingliche Welt als lebendig anzusehen, es macht das Leben spielerischer. Ein Lehrer sagte letztens zu mir: „Das ist cool, das hat was Magisches und  seien wir ehrlich, wir Erwachsenen reden doch auch alle mit unserem Drucker oder unserem Auto: „Komm schon, spring an!!!!“

Letztens war die Belegung gemischt mit vier 3. Klassen und einer 6. Klasse. Damit die 6.-Klässler sich nicht wundern, wenn die 3.-Klässler mit dem Wasserspender reden, habe ich sie mit Zwinkern darüber aufgeklärt, was ich den „Kleinen“ an dieser Stelle der Hausführung erzähle und sie gebeten mitzuspielen.

Irgendwann hörte ich dann durch die Bürotür zwei Jungen aus der sechsten Klasse sehr cool bei Johnny Wasser zapfen mit den Worten: „ Ey, Johnny gib´s mir!“

Aus dem Büro kam ein Kichern und die beiden hörte man schnell die Treppe runterhopsen.

Ich liebe dieses Schullandheim.

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