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Archive for the ‘Spiel’ Category

Am 21.12. 2016 durfte ich mit Prof. Dr. Gerald Hüther bei NDR Info Redezeit als Experten zum Thema „Verlernen wir das Spielen“ mit ZuhörerInnen diskutieren. Es war eine spannende Erfahrung das Medium Radio aus dieser Perspektive zu erleben.  Den Impuls zu dieser Sendung gab das im Herbst erschienene Buch “ Rettet das Spiel“ von Gerald Hüther und Christoph Quarch

Das Phänomen Spiel ist so facettenreich, daher ist es interessant gewesen zu hören, was bei dem Begriff sofort assoziiert wird. Gerald Hüther beschrieb es im späteren Teil der Sendung in etwa so: Viele Menschen meinen, dass Spiel eine Sache bedeuten würde. Ein Ding wie ein Brettspiel oder ein Ball, etwas das man kaufen muss.

Aber das wirklich spielerische Erleben kann man eben gerade nicht kaufen. Leider denken manche Menschen, dass man es verkaufen kann und beuten damit die Leichtigkeit und Schönheit des Spiels aus- und die Menschen, die ihre Bedürfnisse auf diese Weise zu befriedigen versuchen.

Liebes Spiel 🙂 – bitte bleib so wie du bist. In uns und um uns herum.Mach die Welt weiterhin schöner, besser ,wahrer .  Zeig doch den Menschen, wie schön es ist sich glücklich zu fühlen und wie wenig du eigentlich brauchst, damit du ganz da sein kannst. Du schenkst uns lebendige Zeit. Du gibst uns Raum für das Wesentliche- Freiheit und Verbundenheit, Gestaltungskraft.  Durch deinen Zauber können wir uns selbst überraschen, mit dem, was in uns steckt.  Du freust dich an unserem Ausprobieren und brauchst kein Ergebnis. Du lässt geschehen.  Ohne Druck, ohne Zwang, ohne Zweck. Einfach so.Weißt du überhaupt, wie gut du uns tust? Wenn wir dich retten- retten wir das Menschliche in uns.

Ich rette dich. Versprochen.

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Chinesische Delegation

Das Leben ist spannend.

Überall auf der Welt machen sich Menschen mit Bewusstheit für die Natur- und Umwelt auf, den leider schon reichlich abgelutschten Begriff der Nachhaltigen Entwicklung mit Leben zu füllen.

So auch in China.

Herr Wang vom Feifeitu Institut der Universität Peking/ Erfurt nahm Kontakt zum Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten auf.  Durch meine Freundin und Kollegin die Vorsitzende Ute Schulte Ostermann erfuhr er auch vom Konzept unserer  NaturSpielpädagogik am Institut für Weiterbildung der FH- Kiel.  Und schon war er begeistert vom Spiel in und mit der Natur als Erwachsenenbildung.  Aus erstem Interesse wurden Ideen, aus Ideen Wirklichkeit.

Und so kam es, dass ich vor zwei Wochen eine chinesische Delegation aus Kita-Leitungen und FrühpädagogInnen im Waldschulheim Glücksburg begrüßen  durfte und am nächsten Tag im Naturerlebnisraum Kollhorst mit Menschen in Resonanz ging, deren Sprache und Schrift mir völlig fremd ist.

Einen Vortrag zu halten mit einer Präsentation, die in chinesischen Schriftzeichen für die Delegation gut zu lesen ist, war für mich eine interessante Erfahrung. Und der praktische Teil unsres Workshops, der draußen im blühenden Garten stattfand, hat mich wieder einmal von den archetypischen Kräften des Spiels überzeugt.

Ich habe schon oft mit mir völlig fremden Menschen gespielt, gehandwerkt, getanzt und gelacht in unseren vielen Seminaren. Aber diesmal war es besonders. Da war die Sprachbarriere- die durch Simultanübersetzungen von Herrn Wang und Li Ping, einer Studentin der NaturSpielpädagogik für Ansagen an die Gruppe zum Glück gut abgepuffert werden konnte- aber von Mensch zu Mensch zu sprechen war ein Erlebnis. Es wirken dann andere „sprachliche“ Parameter wie Körperhaltung, Augenkontakt, Berührungen intensiver. Mit Händen und Füßen gesprochen hatte es dann auch Hand und Fuß.  Nach zwei Tagen verabschiedeten wir uns mit Umarmungen, die fest waren und von gemeinsamen Erfahrungen in der Natur und miteinander zeugten. Das macht Mut – trotz aller Nachrichten in dieser Zeit, in der das Andere, das Fremde mißtrauisch beäugt wird- sich zu besinnen, in Kontakt zu gehen, im Kontakt zu bleiben. Wir haben in der gemeinsamen Zeit festgestellt, dass wir alle die Natur brauchen und dringend etwas für sie tun müssen, damit wir alle eine Zukunft auf diesem Planeten haben.

Die chinesischen PädagogInnen schauten viele Natur- und Waldkindergärten  in Schleswig-Holstein an, besuchten eine Freie Naturschule in Niedersachsen und waren erstaunt und begeistert vom Lernort Natur. Und nun ist es an mir und Ute zu schauen, was für Möglichkeiten für die NaturSpielpädagogik in China liegen. Ute reist in drei Wochen und für mich heißt es im Januar dann Ni Hao!

Fazit der Delegation :

Was gibt es Schöneres, als Kindern unsere Natur in der Natur nahezu bringen, sie spielerisch zu entdecken, damit konkrete Erfahrungen zu machen, darüber Wissen zu erfahren und somit zu lernen, wie wir unsere Welt gestalten wollen und können ?

In Deutschland, in China und Anderswo … ?

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Im Waldschulheim Glücksburg gibt es einen Wasserspender in Form einer Metallsäule aus gebürstetem Edelstahl. Das ist total praktisch.Er filtert das Flensburger Leitungswasser, kühlt es und wenn man möchte, bekommt man es versprudelt. Wirklich lecker und eine gute Alternative zu hochkalorischen Süßgetränken.

Welche Kinder trinken schon liebend gern Wasser? In meinen früheren Klassen haben mich meine Schüler zunächst angeschaut, als hätte ich verlangt einen Schierlingsbecher zu trinken, wenn ich einen Krug mit Wasser auf den Tisch stellte. Lieber tranken sie zum Frühstück die blauen Limonaden in Wegwerfflaschen, erst als ich eine Verbindung zu Farbe und Geruch mit WC-Reinigern herstellte, war die Motivation etwas gebremst. Und da man in meinem Unterricht immer eine Pause für ein Glas Wasser machen durfte, tranken sie es dann immer öfter.

Ich hatte eben noch keinen Johnny. Mit Johnny lieben die Kinder Wasser. Bei allen Schülerinnen und Schülern steht auf ihrer Packliste ganz oben: 1 Getränkeflasche, mit dieser können sie sich den ganzen Tag über bei uns Wasser oder Sprudel zapfen.Und dass macht Spaß.

Leider geht da so manches nebenbei, der Überlauf der Metallingenieurskunst wird seinem Namen gerecht und es schwimmt am Fuße dann oft, so dass wir viel wischen.

Ich wollte dieses Problem lösen ohne Meckerei einer strengen Heimleitung…

Bei einer meiner ersten Klassenführungen durchs Haus hatte ich dann den Impuls dem Wasserspender einen Namen zu geben und seine Geschichte zu erzählen.

Johnny„Das ist Johnny! Er ist einer unserer stillen Mitarbeiter, die wunderbare Dienste tun. Johnny hat eine große Klappe. Wie man sieht. Er spendet das schönste, leckerste Wasser, was man sich denken kann, aber er hat ein kleines Problem und eigentlich mag er das gar nicht so gern, wenn ich es erzähle.“

ich halte der Stahlsäule dann an beiden Seiten die imaginären Ohren zu und erzähle flüsternd weiter

„Ich erzähle es Euch trotzdem, weil nur ihr ihm helfen könnt. Er sabbert!“

Ich freu mich jede Woche auf diese Stelle der Geschichte, erst sind die Augen der Schüler riesig groß und dann Entsetzen, UääH! Sabbern! Die Gesichter der Lehrkräfte spiegeln von Irritation bis verschwörerischem Schmunzeln alles wieder.

„Ja, er sabbert, jeder hat ja so sein kleines Handicap, oder?“  -Diesen kleinen versteckten inklusiven Input kann ich mir nicht verkneifen… und meistens nicken einige Kinder sehr bewusst an dieser Stelle.-

„Ihr könnt ihm helfen, wenn ihr nämlich die Flasche genau drunter stellt, dann läuft nix daneben! Wisst ihr, Johnny möchte nämlich cool sein,  weil er verknallt ist.“

-Wieder große Augen, wer kennt nicht die Phase in der 3. oder 4. Klasse mit den wunderbaren Zetteln: Willst du mit mir gehen? Ja? Nein? Vielleicht? Kreuze an!- Oft haben zarte Bande auf Klassenfahrten begonnen…-

„Er liebt Jenny!“

JennyIch gebe zu, ich habe sie erst ein paar Monate danach entdeckt als Pendant. Jenny, den Briefkastenschlitz genau gegenüber, durch den die Post in einen Kasten an der Wand in meinem Büro plumpst.

„Ja und sie liebt ihn auch. Sie schaut ihn den ganzen Tag an und sie hat auch eine große Klappe, also passen sie gut zusammen. Und deswegen ist es ihm so peinlich. Könnt ihr ihm helfen?

In der Spielpädagogik nennt man dies die Animationsform der betroffenen Figur, und die Imagination wirkt wirklich emotional.

„Jenny hat immer Hunger. Am liebsten frisst sie Postkarten, sie mag auch Briefe. Aber sie ist krüsch. Magst du alles? Genau! Sie mag es nur, wenn die Adresse stimmt und richtig frankiert ist, sonst spuckt sie mir die Briefe auf den Schreibtisch.“

Was stimmt, weil ich diese Post aussortiere und den Lehrkräften zurückgebe, wär doch schade, wenn die liebevollen Karten und Briefe an die Liebsten zuhause nicht ankommen, ich meine auch ohne Poststreik.

Die Kinder nehmen den sabbernden Johnny und die krüsche Jenny sofort an. Im Laufe der Woche kann ich bei offener Bürotür viele Ansprachen und Dialoge hören.

„Hallo Jenny!“, „Danke, Johnny!“  “ Die ist verknallt in ihn!“ „Echt?, ich bin in …“

Manche Kinder trauen sich gar nicht die Postkarte einzustecken, weil sie Angst haben, dass Jenny zubeißt.

Das ist das magische am Spiel und der Imaginationskraft. Es sind ein aufgemalter Wandbriefkasten und ein Wasserautomat aus gebürstetem Edelstahl. Und doch, sie sind Jenny und Johnny, haben Gesichter. Wem ich von Angesicht zu Angesicht begegnen kann, der ist für mich lebendig.

Entwicklungspsychologisch habe ich genau den Nagel auf den Kopf getroffen, in der 3./4. Klasse ist das magische Denken noch möglich, im höheren Schulklassenalter distanzieren sich die Schüler dann schon wieder von dieser Spielerei. Das ist  dann nicht cool genug. Dort erkläre ich es funktionaler und pragmatischer. Bei Erwachsenen ist es glaube ich eine Entscheidung. Spielt mein inneres Kind noch mit?

Seit einem Twitterprojekt mit Bea Beste und anderen weiß ich, dass das Phänomen Gesichter in Dingen zu sehen Pareidolie heißt und es viele Menschen gibt, die Augen dafür haben, die dingliche Welt als lebendig anzusehen, es macht das Leben spielerischer. Ein Lehrer sagte letztens zu mir: „Das ist cool, das hat was Magisches und  seien wir ehrlich, wir Erwachsenen reden doch auch alle mit unserem Drucker oder unserem Auto: „Komm schon, spring an!!!!“

Letztens war die Belegung gemischt mit vier 3. Klassen und einer 6. Klasse. Damit die 6.-Klässler sich nicht wundern, wenn die 3.-Klässler mit dem Wasserspender reden, habe ich sie mit Zwinkern darüber aufgeklärt, was ich den „Kleinen“ an dieser Stelle der Hausführung erzähle und sie gebeten mitzuspielen.

Irgendwann hörte ich dann durch die Bürotür zwei Jungen aus der sechsten Klasse sehr cool bei Johnny Wasser zapfen mit den Worten: „ Ey, Johnny gib´s mir!“

Aus dem Büro kam ein Kichern und die beiden hörte man schnell die Treppe runterhopsen.

Ich liebe dieses Schullandheim.

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DabeiSein ist Alles

Inklusion, hmm, miteingeschlossen sein, also nicht mehr ausgeschlossen sein, also DabeiSein. Das konnte man gestern wieder einmal im inklusiven Kinder- und Jugendzirkus  „Circus Claudini“ wahrnehmen.

DabeiSein. Nicht ausgeschlossen Sein. Miteingeschlossen sein.

Inklusiver Zirkus bedeutet immer Herausforderung. Überraschung.

Über sich hinauswachsen.

Dafür war reichlich wieder einmal Gelegenheit. Auf allen Ebenen.

Gestern war Auftrittstag im „Circus Claudini“. Die Weihnachtsaufführung. Vormittags vor der Schulgemeinschaft, nachmittags Eltern, Verwandte und Freunde. Da kommen schon sehr viele Menschen zusammen. Unsere 30 Artisten fieberten diesem Tag entgegen. Die Hauptrollen probten in den letzten Wochen in jeder große Pause zusätzlich.

Das Team war durch biographische Ereignisse erst seit den Herbstferien auf neue Trainerfüße gestellt und diese wurden nach softem Einstieg gleich in die heiße Phase des Auftritts katapultiert. Soweit alles gut, trotz vieler Fragezeichen, die es auszuhalten gab. Die Nummern standen. Die Kostüme waren herausgesucht, beschriftet, Körbe gepackt. Es fehlten noch 2  Seiten To-do-Listen Kleinigkeiten, die den letzten Schliff geben.  Da passierte es.

Eine der beiden Zirkusdirektorinnen wurde sehr plötzlich ins Krankenhaus eingewiesen. Hing am Tropf. War eingeschlossen. Aber ganz woanders.

Was nun? Das Team war brandneu. Die andere Leitungskollegin machte erst seit Sommer mit und hatte eine Zirkusveranstaltung noch nie durchgeführt, doch sie verfügte glücklicherweise über reichlich Erfahrung aus anderen Bereichen kultureller Bildung.

30 Artisten und ihren Familien absagen? Den Weihnachtsauftritt verschieben?

Den auf dem Schulhof hüpfenden Kindern „Ich komm zum Zirkus, ich komm zum Zirkus!“ sagen, dass es ausfällt?

Kommt gar nicht in Frage! The Show must go on!

Danke an die Kollegin für diesen Mut der Entscheidung! Chapeau!

Nun ging alles ganz schnell. Das neue Team wurde spontan unterstützt von alten Trainerhasen, die sich für diesen Notfall freigenommen hatten. Damit die Artisten Sicherheit haben. Damit die gefühlten 1000 Kleinigkeiten der To-do-Listen auch bearbeitet werden konnten.

Absprechen, sich einspielen, auf einander hören, einander vertrauen war jetzt mehr denn je angesagt. Und hepp! Herausforderung! Im Team!

Uuuuund ?

Alles lief wunderbar. Alle waren sehr präsent und glühten. Das Publikum dankte mit tollem Applaus. Es war ein wundervoller Tag. Hepp!

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Sechs Artistinnen zeigen als Engel verkleidet eine Akrobatikübung. Drei Engel stehen hinten wie ein Fächer. Der mittlere Engel hält die beiden anderen an den Händen, die sich seitlich fallen lassen. Die vorderen Engel machen alle eine Brücke. Sie sind weiß gekleidet und werden vom Scheinwerferlicht pink angestrahlt. Im Hintergrund sieht man den Weihnachtsmann.

Und Alles Inklusiv: Die kranke Zirkusdirektorin durfte den traditionellen Mutspruch vor dem Auftritt per Telefon zu den Artisten sprechen. Das hat sehr berührt. DabeiSein. Nicht ausgeschlossen sein, weil man krank ist. Nicht rausgefallen sein aus dem System, weil man plötzlich nicht mehr funktioniert. Getragen werden und in Kontakt sein mit der Gemeinschaft.

Das ist es doch, der Pufferfaktor „Soziale Unterstützung“, der gesund erhält und gesund macht, auch wenn man „krank“ bleibt.

Zirkus bietet Gemeinschaft. In der Gruppe und im Team, in der gegenseitigen Wertschätzung kann Zirkus seine Schönheit in der Mitmenschlichkeit entfalten.

Das kommt an. Beim Publikum. Im Herzen.

DabeiSein ist Alles.

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Dieses Jahr war das Jahr des Wunders im Circus Claudini. IMG_3175

Das Wetter war perfekt.  Das traumhafte Team war vollständig.  Alle Kinder waren gesund.

Der Wind war lau.  Der Regen war im Urlaub.

Eine neue digitale Licht- und Soundanlage, von der Landesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung ausgeliehen, ließ uns erst zittern und funktionierte dann sehr freundlich.

Ich war im Flow.

Circus Claudini.  Einige Tage in meinem Lehrerinnenleben wache ich morgens in einem Zirkuszelt auf. Alles nur, weil eine Freundin, die einen Jugendtreff leitete, mich vor 15 Jahren bat, sie bei einem Wochenend-Projekt  für 4. Klässler zur Sucht- und Gewaltprävention zu unterstützen, „Du kannst das, dir fällt schon was ein“.  Ich bin hängengeblieben. An den Möglichkeiten, an den Zwischenräumen, die sich bieten. Inzwischen gibt es den Circus Claudini seit 6 Jahren an meiner Schule. Ich habe ihn von meiner Freundin übernommen. Zirkus ist Kulturelle Bildung. Zirkus ist lebendig. Und ich schlafe im Wohnwagen mit einer Kollegin, um das Zelt zu bewachen. Lebens-und Lernort Schule.

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Ein Mann im ZirkusT-Shirt schmückt die Masten mit Wimpeln

Ich bin begeistert von der Gestaltung einer fiktiven Wirklichkeit, die dann für die Kinder und uns unsere Wirklichkeit wird, die wir mit unseren Zuschauern teilen.

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Ein Ablaufplan hängt im Deckel einer großen Requisitenliste.

Regenwurmakrobatik habe ich vorher noch nie gesehen, doch dadurch, dass wir unsere Schüler befragen, was sie sich vorstellen können, kommen völlig neue Ideen und Konzepte, die wir ermöglichen.

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Kinder des Circus tanzen spontan in der Manege.

Man kann unseren Kindern in aufwändigen Kostümen und geschminkt, keinen Punkt auf die Stirn kleben, wer beeinträchtigt ist und wer nicht. Das war schon immer ein inklusives Element des Circus Claudini. Diesmal hat mich eine Situation besonders berührt: als alle Kinder vor der Premiere in ihrer Startbekleidung ins Zelt gerufen wurden, probierte die Technik gerade alle Lieder durch, bei „Shine bright like a diamond“ haben dann alle Artisten spontan die Manege gestürmt und die Choreographie der Tanzgruppe gezeigt.  Alle tanzten, alle lachten und sangen. Kein Pädagoge hat das motivieren müssen. Unbewusst haben die Kinder uns gezeigt, was wir uns für sie wünschten: Sei mutig! Leuchte!

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Viele Menschen stehen um eine schwere, bunte Zeltplane, um sie einzurollen.

Und dann das Wunder der Inklusion im Gemeinwesen. Wenn am Montag um 7.30 h die ersten Männer mit ALG II vor dem Schultor von einem Bein aufs andere treten , dann weiß man: Zeltaufbau ist heute.  Und wenn dieselben Männer am Samstag um 7.30 h dort wieder stehen, dann ist es Zeit, den Abbau zu beginnen.  Sie kommen freiwillig. Manche schon seit mehreren Jahren. Ein Teil vom Ganzen. Inklusion ist, wenn meine Schulleiterin beim Abbau neben diesen Männern das Zeltdach einrollt, weil das jetzt Sinn macht. Weil jeder hier wichtig ist.

Inklusion ist für mich auch, wenn das ganze Kollegium auf einmal anfängt circensische Disziplinen zu üben, um unserer Schulleiterin eine Zirkusvorstellung zu geben, da sie in den Ruhestand geht.  Vor 70 Gästen haben wir jongliert, Akrobatik gezeigt, sind Kugel gelaufen und Clowns gewesen.  Nichts war albern- Niveau inklusive.

Ich bin verwundert. Und doch nicht. Wie schafft es diese Manege alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft im gemeinsamen Ziel einer Produktion zu vereinen?

Was hier gelingt, wünschte ich mir häufiger für den schulischen Alltag. Inklusion!

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Viele Pinsel mit bunten Farben liegen bereit zum Schminken: Vielfalt

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das war der Untertitel des Auftaktseminares zum „Zertifikat Inklusive Schule“.  Sehr inklusiv waren die Teilnehmenden, sehr besonders die teilgebenden Institutionen.

Die Idee kam von Melanie Korn,  Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrerbildung der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Sie entwirft u.a. extracurriculare Zertifikate für Studierende des Lehramts an Gymnasien. Und das tut sie mit Hingabe, großartigen Ideen und einem unglaublichen Netzwerk.  Mit im Boot für das Zertifikat Inklusion saß von Anfang an auch Martina Heesch, Referentin für Inklusion beim Jugendpfarramt der Nordkirche, einem großen Herz für besondere Menschen und der Idee zu wundervollen Projekten. Auch Britta Hemshorn de Sanchez vom PTI Hamburg, ebenfalls mit Herz für die Inklusion und der Gabe diese anschaulich zu präsentieren.

Ich geb´s zu. Ich fuhr natürlich auch mit.  Und 12 StudentInnen des Lehramts an Gymnasien der CAU. In ihrer Freizeit. Extracurricular. Chapeau!

Gott sei Dank! Denn es war einfach klasse. Diversität zum Anfassen.

Nach Kennlernübungen und Improtheater folgte am Freitag Abend das gemeinsame Schauen des Films BergFidel. In der anschließenden Diskussion war die Bewegung, die dieser Film auslöst spürbar.

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Viele Menschen laufen schnell durch einen Stuhlkreis. Sie versuchen einen Platz zu ergattern.

Am Sonnabend vormittag fanden viele Übungen zum Thema BarriereFreiheit im konkreten wie im übertragenen Sinn statt.

Z.B. beschreibt man blind ein seltsames Maschinenteil, welches man zum Fühlen in die Hand bekommt, ein an meinem Rücken sitzender Parter zeichnet es nach meiner Erklärung. Deutlich wurde, ich brauche eine Sprache, ich brauche Erfahrung und Begriffe, um etwas zu be-greifen, es zu be-schreiben.

Nach einem anschaulichen Vortrag über Inklusion, an dem mich besonders das Experiment mit „Vogelkacke auf Asphalt“ aus dem Buch von Gerald Hüther „Innere Bilder“ beeindruckt hat, kamen auch schon die weiteren Mitspieler  zum Koppelsberg.

Zum Beispiel die Band „Gangway“  von den Kappelner Werkstätten,  Katrin Ziese und Nadine mit zwei Hunden vom „mixed pickles e.V“ aus Lübeck, und drei jugendliche Artisten des inklusiven Circus Claudini der Matthias-Claudius-Schule Grundschule und Förderzentrum aus Kiel.

Alle Projektpartner aus der Praxis hatten  20-30 min Zeit sich zu präsentieren. Nach einer weiteren Stunde Mitmachaktion und Murmelphase fiel die Entscheidung der Studenten, in welchem Praxisfeld sie gern bis zum 12. Juni Inklusion erproben möchten. Es wurde jongliert, gebellt und die Band probte. Lachen, Dialoge, Erstaunen über so viele Gemeinsamkeiten.

Und ein viertes Projekt. Fight für Faith, den 17-jährigen Schüler, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist und die gymnasiale Oberstufe nicht mehr in seiner Schule erleben kann.

Für jedes Praxisfeld fand sich eine Gruppe StudentInnen. Freiraum zur kreativen Erprobung inklusive. Auch im Circus.

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Vor einen Schild mit der Aufschrift: Ballspiele sind im Innenhof nicht gestattet, sieht man zwei Menschen Jonglieren.

Ich geb zu. Die Artisten, das sind meine Schüler. Mitten in den Ferien kamen sie mit dem Zug nach Plön, um den Circus vorzustellen- und sie haben es großartig gemacht mit ihrer Präsentation auf dem Hochrad, der Feuerjonglage und der Anleitung zur Jonglage von GymnasiallehramtsstudentInnen. Sehr kompetenzorientiert.   Ich bin stolz auf sie.

Die Nacht  war kurz-dank der genialen Band-  und ich konnte am Sonntag leider  nicht mehr den vielversprechenden Beitrag von Elisabeth Wazinski zu „Einfache Sprache“ hören, doch die Bilanz einer Studentin klingt mir noch im Ohr: „Es war absolut sinnvoll, dieses Wochenende am Anfang hier zu erleben. Raus aus dem Alltag. Ich konnte richtig eintauchen in das Thema und empfinde es als sehr bedeutsam. Ich freu mich total, dass ich das gemacht habe.“

Ich glaube mehr geht nicht. Ich bin begeistert und dankbar. Es hat solche Freude gemacht mit allen besonderen Menschen dieses Wochenende zu erleben.

Also ich freu mich auf morgen. Da kommen 2 Studentinnen zum Circus Claudini. Und die haben Lust auf Inklusion.

Ich auch.

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Der Verein  mixed pickles e.V. aus Lübeck hat meiner Ansicht nach einen Preis verdient. Vielleicht weniger  die goldene Inklusionsnadel als eher die Gewissheit ihre hervorragende Arbeit im Schnittfeld Inklusion und Gender ohne Sorgen um die Finanzierung von morgen und übermorgen zu tun.

Ich habe die Mitarbeiterinnen in einem gemeinsamen Projekt zur Inklusion kennengelernt und kann nur sagen, absolut authentisch. Professionell, Kreativ, Partizipativ, Empowernd!

Ich möchte hier auf einige Materialien hinweisen, die in unserer schnellen Welt  zur richtigen Zeit hilfreich sein können:

1. An alles gedacht?

Ein kleiner Leitfaden für die Planung und Durchführung von barrierefreien Sitzungen und Veranstaltungen

Eine Checkliste an die Pinwand zu hängen und mit den Rubriken Einladung, Räume, Assistenz, Struktur, ReferentInnen und Essen sehr breit

2. Überlegt handeln im Umgamg mit sexueller Gewalt

Ein Leitfaden für Fachkräfte in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung,

Hrsg. mixed pickles e.V., Lebenshilfe LV S-H e.V., Notruf Kiel,  Präventionsbüro PETZE

Ein  übersichtlicher Leitfaden mit einer kurzen Einführung in die Thematik und 11 Schritten, der in jeder Einrichtung ans White-board gehört und in einer ersten Konfrontation mit diesem Thema Sicherheit geben kann.

Weitere lebensnahe, zumeist in leichter Sprache  und immer in Partizipation mit Expertinnen erstellte Materialien findet Ihr unter: http://www.mixedpickles-ev.de

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