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DabeiSein ist Alles

DabeiSein ist Alles

Inklusion, hmm, miteingeschlossen sein, also nicht mehr ausgeschlossen sein, also DabeiSein. Das konnte man gestern wieder einmal im inklusiven Kinder- und Jugendzirkus  „Circus Claudini“ wahrnehmen.

DabeiSein. Nicht ausgeschlossen Sein. Miteingeschlossen sein.

Inklusiver Zirkus bedeutet immer Herausforderung. Überraschung.

Über sich hinauswachsen.

Dafür war reichlich wieder einmal Gelegenheit. Auf allen Ebenen.

Gestern war Auftrittstag im „Circus Claudini“. Die Weihnachtsaufführung. Vormittags vor der Schulgemeinschaft, nachmittags Eltern, Verwandte und Freunde. Da kommen schon sehr viele Menschen zusammen. Unsere 30 Artisten fieberten diesem Tag entgegen. Die Hauptrollen probten in den letzten Wochen in jeder große Pause zusätzlich.

Das Team war durch biographische Ereignisse erst seit den Herbstferien auf neue Trainerfüße gestellt und diese wurden nach softem Einstieg gleich in die heiße Phase des Auftritts katapultiert. Soweit alles gut, trotz vieler Fragezeichen, die es auszuhalten gab. Die Nummern standen. Die Kostüme waren herausgesucht, beschriftet, Körbe gepackt. Es fehlten noch 2  Seiten To-do-Listen Kleinigkeiten, die den letzten Schliff geben.  Da passierte es.

Eine der beiden Zirkusdirektorinnen wurde sehr plötzlich ins Krankenhaus eingewiesen. Hing am Tropf. War eingeschlossen. Aber ganz woanders.

Was nun? Das Team war brandneu. Die andere Leitungskollegin machte erst seit Sommer mit und hatte eine Zirkusveranstaltung noch nie durchgeführt, doch sie verfügte glücklicherweise über reichlich Erfahrung aus anderen Bereichen kultureller Bildung.

30 Artisten und ihren Familien absagen? Den Weihnachtsauftritt verschieben?

Den auf dem Schulhof hüpfenden Kindern „Ich komm zum Zirkus, ich komm zum Zirkus!“ sagen, dass es ausfällt?

Kommt gar nicht in Frage! The Show must go on!

Danke an die Kollegin für diesen Mut der Entscheidung! Chapeau!

Nun ging alles ganz schnell. Das neue Team wurde spontan unterstützt von alten Trainerhasen, die sich für diesen Notfall freigenommen hatten. Damit die Artisten Sicherheit haben. Damit die gefühlten 1000 Kleinigkeiten der To-do-Listen auch bearbeitet werden konnten.

Absprechen, sich einspielen, auf einander hören, einander vertrauen war jetzt mehr denn je angesagt. Und hepp! Herausforderung! Im Team!

Uuuuund ?

Alles lief wunderbar. Alle waren sehr präsent und glühten. Das Publikum dankte mit tollem Applaus. Es war ein wundervoller Tag. Hepp!

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Sechs Artistinnen zeigen als Engel verkleidet eine Akrobatikübung. Drei Engel stehen hinten wie ein Fächer. Der mittlere Engel hält die beiden anderen an den Händen, die sich seitlich fallen lassen. Die vorderen Engel machen alle eine Brücke. Sie sind weiß gekleidet und werden vom Scheinwerferlicht pink angestrahlt. Im Hintergrund sieht man den Weihnachtsmann.

Und Alles Inklusiv: Die kranke Zirkusdirektorin durfte den traditionellen Mutspruch vor dem Auftritt per Telefon zu den Artisten sprechen. Das hat sehr berührt. DabeiSein. Nicht ausgeschlossen sein, weil man krank ist. Nicht rausgefallen sein aus dem System, weil man plötzlich nicht mehr funktioniert. Getragen werden und in Kontakt sein mit der Gemeinschaft.

Das ist es doch, der Pufferfaktor „Soziale Unterstützung“, der gesund erhält und gesund macht, auch wenn man „krank“ bleibt.

Zirkus bietet Gemeinschaft. In der Gruppe und im Team, in der gegenseitigen Wertschätzung kann Zirkus seine Schönheit in der Mitmenschlichkeit entfalten.

Das kommt an. Beim Publikum. Im Herzen.

DabeiSein ist Alles.

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Der Inklusionsschlüssel

„Hallo?“

„Ja?“

„Ist das Ihr Schlüssel?“

„Nein.“

„Ach, schade!“

„Wieso?“

„Ich dachte schon, sie könnten mir die Inklusion aufschließen.“

Ja, ich hab noch Lust auf Inklusion. Aber irgendwie gibt sie mir Rätsel auf. Also, damit meine ich die schulische Inklusionsbewegung. Bevor sie da war, hatte ich ein anderes Bild von ihr. Ich stellte sie mir als etwas vor, was irgendwie mehr mit den bunten Pünktchen in diesem Kreis zu tun hat. Der Kreis sieht so verdammt fröhlich aus. Vielleicht hab ich nicht genau hingesehen. Ich lebe Inklusion ja nicht in der Vogelperspektive, sondern stecke mittendrin.

Wenn ich mich hier so umschaue zwischen den anderen Punkten, stimmt aber etwas nicht.  Vorher, also bei der Integration, da waren immerhin noch Linien. Das hatte etwas Klares, Ehrliches- jetzt ist soviel Weißes um mich herum  mit Wattebauschfrieden.

Eine Kollegin von mir sagte letztens: „Ich bin nur noch irgendjemand, der irgendwas irgendwie irgendwo tut!“  Ich weiß jetzt auch wie der Wattebausch heißt. Habe ich auf einer Tagung zur Inklusion gehört. Man nennt das sonderpädagogische Entprofessionalisierung. Berufliche Veränderungsprozesse ohne Teilhabe an Entscheidungen sind mit ihren Belastungen wirklich nicht so einfach zu bewältigen- auch, wenn eine Freundin eine Karte schenkt mit dem Aufdruck

“ Heulst du noch- oder hilfst du schon?“

HeulstHelferberuf Sonderpädagogin. Es fällt etwas schwer immer noch die Expertin für etwas zu sein, was es eigentlich gar nicht mehr so gibt, weil die Inklusion die Linien wegwischt und ich im Irgendwo stehe. Also bin ich jetzt eine NichtmehrExpertin in der NochnichtInklusion?

Ich hatte mir vorgestellt, wenn wir Inklusion haben, dann bedeutet keine Linien mehr zu haben Kindern noch besser Lernen zu ermöglichen und, weil keine Linien mehr zwischen den Punkten sind, mehr Dialoge und gemeinsame Angebote für alle. Und ich dachte, ich wäre auch drin, mit allen Kindern, egal, ob sonderpädagogischer Förderbedarf oder nicht. Weil ja keine Linien mehr da sind zwischen den bunten Punkten. Weil mehrere LehrerInnen im gleichen Raum sind mit allen SchülerInnen. Weil auch die Räume und Materialien bunt sind für die Vielfalt der Menschen.

Ich hoffe dennoch auf das Weiße zwischen den Punkten.  Dass der Wattebauschnebel sich lichtet. Dass wir nicht mehr Sonder-PädagogInnen und Regel-SchullehrerInnen sind, sondern zusammen besonders achtsame PädagogInnen. Hier liegt das Land der Möglichkeiten im Zwischenraum. Noch stolpern wir tastend herum um Altes zu verabschieden und Neues zu begreifen. Doch zwischen Tür und Angel kann ich mit KollegInnen neue Farben mischen. Für Räume reicht´s mitnichten.

Ach, schau her,  hier ist ja auch mein Inklusionsschlüssel.  Kein Wunder, dass ich ihn nicht gleich gefunden habe, er liegt ja zwischen 1,3 und 1,8 h  pro Kind.

Dieses Jahr war das Jahr des Wunders im Circus Claudini. IMG_3175

Das Wetter war perfekt.  Das traumhafte Team war vollständig.  Alle Kinder waren gesund.

Der Wind war lau.  Der Regen war im Urlaub.

Eine neue digitale Licht- und Soundanlage, von der Landesvereinigung für kulturelle Kinder- und Jugendbildung ausgeliehen, ließ uns erst zittern und funktionierte dann sehr freundlich.

Ich war im Flow.

Circus Claudini.  Einige Tage in meinem Lehrerinnenleben wache ich morgens in einem Zirkuszelt auf. Alles nur, weil eine Freundin, die einen Jugendtreff leitete, mich vor 15 Jahren bat, sie bei einem Wochenend-Projekt  für 4. Klässler zur Sucht- und Gewaltprävention zu unterstützen, „Du kannst das, dir fällt schon was ein“.  Ich bin hängengeblieben. An den Möglichkeiten, an den Zwischenräumen, die sich bieten. Inzwischen gibt es den Circus Claudini seit 6 Jahren an meiner Schule. Ich habe ihn von meiner Freundin übernommen. Zirkus ist Kulturelle Bildung. Zirkus ist lebendig. Und ich schlafe im Wohnwagen mit einer Kollegin, um das Zelt zu bewachen. Lebens-und Lernort Schule.

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Ein Mann im ZirkusT-Shirt schmückt die Masten mit Wimpeln

Ich bin begeistert von der Gestaltung einer fiktiven Wirklichkeit, die dann für die Kinder und uns unsere Wirklichkeit wird, die wir mit unseren Zuschauern teilen.

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Ein Ablaufplan hängt im Deckel einer großen Requisitenliste.

Regenwurmakrobatik habe ich vorher noch nie gesehen, doch dadurch, dass wir unsere Schüler befragen, was sie sich vorstellen können, kommen völlig neue Ideen und Konzepte, die wir ermöglichen.

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Kinder des Circus tanzen spontan in der Manege.

Man kann unseren Kindern in aufwändigen Kostümen und geschminkt, keinen Punkt auf die Stirn kleben, wer beeinträchtigt ist und wer nicht. Das war schon immer ein inklusives Element des Circus Claudini. Diesmal hat mich eine Situation besonders berührt: als alle Kinder vor der Premiere in ihrer Startbekleidung ins Zelt gerufen wurden, probierte die Technik gerade alle Lieder durch, bei „Shine bright like a diamond“ haben dann alle Artisten spontan die Manege gestürmt und die Choreographie der Tanzgruppe gezeigt.  Alle tanzten, alle lachten und sangen. Kein Pädagoge hat das motivieren müssen. Unbewusst haben die Kinder uns gezeigt, was wir uns für sie wünschten: Sei mutig! Leuchte!

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Viele Menschen stehen um eine schwere, bunte Zeltplane, um sie einzurollen.

Und dann das Wunder der Inklusion im Gemeinwesen. Wenn am Montag um 7.30 h die ersten Männer mit ALG II vor dem Schultor von einem Bein aufs andere treten , dann weiß man: Zeltaufbau ist heute.  Und wenn dieselben Männer am Samstag um 7.30 h dort wieder stehen, dann ist es Zeit, den Abbau zu beginnen.  Sie kommen freiwillig. Manche schon seit mehreren Jahren. Ein Teil vom Ganzen. Inklusion ist, wenn meine Schulleiterin beim Abbau neben diesen Männern das Zeltdach einrollt, weil das jetzt Sinn macht. Weil jeder hier wichtig ist.

Inklusion ist für mich auch, wenn das ganze Kollegium auf einmal anfängt circensische Disziplinen zu üben, um unserer Schulleiterin eine Zirkusvorstellung zu geben, da sie in den Ruhestand geht.  Vor 70 Gästen haben wir jongliert, Akrobatik gezeigt, sind Kugel gelaufen und Clowns gewesen.  Nichts war albern- Niveau inklusive.

Ich bin verwundert. Und doch nicht. Wie schafft es diese Manege alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft im gemeinsamen Ziel einer Produktion zu vereinen?

Was hier gelingt, wünschte ich mir häufiger für den schulischen Alltag. Inklusion!

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Viele Pinsel mit bunten Farben liegen bereit zum Schminken: Vielfalt

Heute war es soweit: Das Zentrum für Lehrerbildung und das Jugendpfarramt der Nordkirche und das Pädagogisch Theologische Institut Hamburg als Kooperationspartner verliehen das Zertifikat “ Inklusive Schule“ an engagierte Studis, die in komplexen und lebensnahen Theorieblöcken  das Rüstzeug für Praxisprojekte erhielten.  Ja, es war eine emotionale Stunde.  Inklusion ist eben kein Lernfach. Es fielen Worte wie “ ich bin jetzt sensibilisiert, was den Blick auf Barrieren betrifft“ und “ ich wusste jetzt auch nicht, was ich da tun sollte, weil ich vorher nie diese Erfahrung hatte“, “ ich bin beeindruckt, wie offen die Bewohner waren“ , “ so ein Projekt macht Mut und Spaß“.

Herr Hase als Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen hat sehr anschaulich den Status quo der  Umsetzungen einzelner Paragraphen der UN-Konvention umschrieben und kritisch angemerkt, was mit dem Wort und der Praxis von Inklusion passiert.

Seltsamerweise inkludieren sich gerade die Behinderteneinrichtungen in die Gesellschaft. Das ist der paradoxe Weg. Eigentlich ist die „Gesellschaft“ doch aufgerufen, die Menschen in den Kreis mit den bunten Pünktchen zu holen. Wer ist hier offen für wen?

Herr Prof. Sielert führte uns in die Ästhetische Bildung, die uns vor Augen hielt, was fremd und was ausgegrenzt bedeutete. Das Kunst-Workshops nicht helfen, Mauern zwischen Menschen unterschiedlicher Gesinnung einzureißen.  Das Kunst-Workshops helfen Mauern zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft einzureißen.

Deutlich wurde, dass wir am Beginn des Anfangs von Inklusion stehen. Deutliche Worte fielen auch zur Inklusion in Schule und der Profession der Sonderpädagogik.  Es ist schon eine seltsame Logik, dass mit Einverleibung der Förderschüler in Regelschulen, der sonderpädagogische Förderbedarf verschwindet.

In der Praxis sieht es anders aus.  – Wie oft kann man Inklusion eigentlich beginnen?

Mit jedem Tag und jedem Menschen wahrscheinlich täglich aufs Neue.  Die Studierenden haben begeistert von ihren Praxisprojekten erzählt und reflektiert, wie bedeutsam diese Begegnungen für sie waren.

Dafür gibt´s keine credit points, aber vielleicht ist es für die eine und die andere angehende Gymnasiallehrerin ein tipping point, um etwas ins Rollen zu bringen.

Erfahrung inklusive.

 

Bildungsferne sehen

Lautgedachtes zum Begriff „bildungsfern“

Letztens ertappte ich mich auf einer Sitzung zur Berufsorientierung beim kollektiven Abnicken.  Es ging um die Schwierigkeit der Eingliederung von Schülern aus „bildungsfernen“ Familien in den ersten Arbeitsmarkt.

Auf dem Nachhauseweg stolperte ich über „bildungsfern“. Das klingt so absichtsvoll.  So, als ob diese „bildungsfernen“ Familien sich entschieden hätten, sich von dieser Bildung fernzuhalten.

Wie kann Bildung fern sein?

Eine kleine Twitterumfrage zu diesem Thema ergab folgende Antworten:

@lammatini schrieb: #bildungsfern ist für mich auch, unkritisch einem Bildungsbegriff aus fernen, längst vergangenen Zeiten anzuhängen.

Allerdings.Ich glaube, das Problem ist hier die Objektorientierung. „Bildungsfern“ bedeutet nämlich inso-fern,  dass draußen in der Umwelt vorher-bestimmte Bildungsgegenstände herumliegen, die es zu sammeln und sortieren gilt. Wieso sammeln die „Bildungsfernen“ diese Gegenstände nicht? Wollen sie nicht?   Können Sie nicht?

@AnnaHBTC meint: #bildungsfern ist, wer keine Chance hat an Bildung zu kommen. „bildungsfern“  also als Synonym für chancenlos? Da fällt mir die Sinus Studie ein, die unsere Gesellschaft in kleine amorphe Bubbles aufteilt. „Eine Segmentation mit Übergängen“ wird es dort beschrieben, hier die Performer, da die resignierte Unterschicht. Sind die Bildungsgegenstände in den Milieu-bubbles eingeschlossen?  Sind manche Familien deshalb als „bildungsfern“ zu bezeichnen, weil der Übergang zu weit ist?

Der Unterschied, der den Unterschied macht.  Hatte Grobi mir im Bildungs-fern-sehen vor 40 Jahren nicht deutlich veranschaulicht, wie weit der Weg ist zwischen „das hier ist nah“ und „das hier ist fern“?
@mons7 meint:#bildungsfern ist, staatliche Zertifizierungen und Analoga nicht als wertvoll und/oder relevant anerzuerkennen -> informelles Lernen >> formales Lernen

In diesem Sinne können die Schüler meiner Oberstufenklasse eines Förderzentrums  nicht „bildungsfern“ sein, wenn sie ständig ihre Handys benutzen, um youtube-Videos „downzuloaden“ und sich auf facebook und whatsapp Nachrichten über den Fortgang ihres Betriebspraktikums schicken? Das ist doch informelles Lernen im digitalen Zeitalter. Sie haben den Markpfeiler von Bildung erkannt: Bindung, sie bilden Netzwerke, Gruppen und zeigen sich wie´s geht durch peer to peer education. Ist es nicht das, was wir wollen von SchülerInnen? Forschen, Handeln, Lernen? Da liegt Bildung doch nah.

Lebensweltbezug ist das Zauberwort. Die Bildungsgegenstände meines bubbles bilden mich, bilden sich ab in meinen Gedanken, meiner Sprache, meinen Handlungen. Bildungsfern gibt es nicht, wenn ein Ding an sich zu einem Ding für mich wird.

„Bildungsfern“ bedeutet bubblestechnisch also: Deine für dich definierten Dinge an sich nehme ich nicht als Bildung wahr. Meine für mich definierten Dinge an sich, teile ich andererseits nicht so gern mit dir, damit daraus ein Ding für dich werden soll.

das war der Untertitel des Auftaktseminares zum „Zertifikat Inklusive Schule“.  Sehr inklusiv waren die Teilnehmenden, sehr besonders die teilgebenden Institutionen.

Die Idee kam von Melanie Korn,  Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrerbildung der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Sie entwirft u.a. extracurriculare Zertifikate für Studierende des Lehramts an Gymnasien. Und das tut sie mit Hingabe, großartigen Ideen und einem unglaublichen Netzwerk.  Mit im Boot für das Zertifikat Inklusion saß von Anfang an auch Martina Heesch, Referentin für Inklusion beim Jugendpfarramt der Nordkirche, einem großen Herz für besondere Menschen und der Idee zu wundervollen Projekten. Auch Britta Hemshorn de Sanchez vom PTI Hamburg, ebenfalls mit Herz für die Inklusion und der Gabe diese anschaulich zu präsentieren.

Ich geb´s zu. Ich fuhr natürlich auch mit.  Und 12 StudentInnen des Lehramts an Gymnasien der CAU. In ihrer Freizeit. Extracurricular. Chapeau!

Gott sei Dank! Denn es war einfach klasse. Diversität zum Anfassen.

Nach Kennlernübungen und Improtheater folgte am Freitag Abend das gemeinsame Schauen des Films BergFidel. In der anschließenden Diskussion war die Bewegung, die dieser Film auslöst spürbar.

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Viele Menschen laufen schnell durch einen Stuhlkreis. Sie versuchen einen Platz zu ergattern.

Am Sonnabend vormittag fanden viele Übungen zum Thema BarriereFreiheit im konkreten wie im übertragenen Sinn statt.

Z.B. beschreibt man blind ein seltsames Maschinenteil, welches man zum Fühlen in die Hand bekommt, ein an meinem Rücken sitzender Parter zeichnet es nach meiner Erklärung. Deutlich wurde, ich brauche eine Sprache, ich brauche Erfahrung und Begriffe, um etwas zu be-greifen, es zu be-schreiben.

Nach einem anschaulichen Vortrag über Inklusion, an dem mich besonders das Experiment mit „Vogelkacke auf Asphalt“ aus dem Buch von Gerald Hüther „Innere Bilder“ beeindruckt hat, kamen auch schon die weiteren Mitspieler  zum Koppelsberg.

Zum Beispiel die Band „Gangway“  von den Kappelner Werkstätten,  Katrin Ziese und Nadine mit zwei Hunden vom „mixed pickles e.V“ aus Lübeck, und drei jugendliche Artisten des inklusiven Circus Claudini der Matthias-Claudius-Schule Grundschule und Förderzentrum aus Kiel.

Alle Projektpartner aus der Praxis hatten  20-30 min Zeit sich zu präsentieren. Nach einer weiteren Stunde Mitmachaktion und Murmelphase fiel die Entscheidung der Studenten, in welchem Praxisfeld sie gern bis zum 12. Juni Inklusion erproben möchten. Es wurde jongliert, gebellt und die Band probte. Lachen, Dialoge, Erstaunen über so viele Gemeinsamkeiten.

Und ein viertes Projekt. Fight für Faith, den 17-jährigen Schüler, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist und die gymnasiale Oberstufe nicht mehr in seiner Schule erleben kann.

Für jedes Praxisfeld fand sich eine Gruppe StudentInnen. Freiraum zur kreativen Erprobung inklusive. Auch im Circus.

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Vor einen Schild mit der Aufschrift: Ballspiele sind im Innenhof nicht gestattet, sieht man zwei Menschen Jonglieren.

Ich geb zu. Die Artisten, das sind meine Schüler. Mitten in den Ferien kamen sie mit dem Zug nach Plön, um den Circus vorzustellen- und sie haben es großartig gemacht mit ihrer Präsentation auf dem Hochrad, der Feuerjonglage und der Anleitung zur Jonglage von GymnasiallehramtsstudentInnen. Sehr kompetenzorientiert.   Ich bin stolz auf sie.

Die Nacht  war kurz-dank der genialen Band-  und ich konnte am Sonntag leider  nicht mehr den vielversprechenden Beitrag von Elisabeth Wazinski zu „Einfache Sprache“ hören, doch die Bilanz einer Studentin klingt mir noch im Ohr: „Es war absolut sinnvoll, dieses Wochenende am Anfang hier zu erleben. Raus aus dem Alltag. Ich konnte richtig eintauchen in das Thema und empfinde es als sehr bedeutsam. Ich freu mich total, dass ich das gemacht habe.“

Ich glaube mehr geht nicht. Ich bin begeistert und dankbar. Es hat solche Freude gemacht mit allen besonderen Menschen dieses Wochenende zu erleben.

Also ich freu mich auf morgen. Da kommen 2 Studentinnen zum Circus Claudini. Und die haben Lust auf Inklusion.

Ich auch.

Performancegruppe von Wübke Rohfls-Grigull

5 Frauen stehen auf einer Bühne. Große Stellwände zeigen einen Blick aus dem Fenster auf ein Kornfeld. Eine Gardine weht. Eine junge Frau und eine ältere schwenkeln ein Tau. 4 Frauen stehen hinter der älteren Frau. Sie stehen an, als ob sie gleich mit Seilspringen dran wären. Atmosphäre von Kinderspiel und doch Wehmut

Stell dir vor es sind Sommerferien. Der erste Tag. Endlich. Stell dir vor du bist 16. Ein Mädchen. Ein Junge. – Egal. Du bist jung. Everything’s gonna be allright.  Du schwingst dich auf dein Fahrrad oder Mofa und fährst über die Dörfer zur Party. Doch du kommst nie an. In this bright future you can´t forget the past. Das nächste was du mitbekommst ist Schmerz.  Überall. Innen und Außen, du hattest einen Unfall und es ist nicht klar, was noch geht.

Das ist keine Geschichte, das ist ein Leben. Seit letztem Sommer das von Faith (FA-IT ausgesprochen). Er ist mittlerweile 17, kann sich im Bereich des Oberkörpers wieder bewegen. Das hat Kraft gekostet. Unglaublich viel Kraft. Faith will. Er will wieder dabei sein. Er will wieder zur Schule gehen. Die Schule will ihn auch.

Kein Problem im Inklusionsland Schleswig-Holstein?

Said I remember when we used to sit. In the government yard in Trenchtown Oba, ob-serving the hypocrites. As they would mingle with the good people we meet.

Heute konnte man Inklusion hautnah erleben. Die Inklusion, die von In-nen kommt.  Die Inperteninklusion. Die Familie, Freunde, Lehrer und Bekannte haben ein FestFürFaith in seiner Schule auf die Beine gestellt.  Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, damit er einen Spezialrollstuhl erhält, der ihm hilft seine EigenStändigkeit zu vergrößern.

Die Schule stellte die Aula,  die Mensa und die Bühne zur Verfügung. Viele Schüler halfen mit.  Ein  tolles Buffet, viele Helfer für Logistik, Technik, …, viele Gäste, eine Tanzperformance, Redebeiträge, ein Chor, eine One.ManShow, eine große Band , … alle Künstler traten ohne Gage auf.   Bilder wurden verkauft. Auch die der Schulleiterin. So viel Engagement.

Die Beiträge berührten sehr.  Ein Lehrer wünschte sich, „… dass Faith wieder normal zur Schule gehen kann.“  Die meisten Gäste konnten über viele Treppen problemlos zum Theatersaal gelangen.  Auch Faith?  Barrierefrei ? Vielleicht haben ihn seine Freunde getragen? Good friends we have had, oh good friends we’ve lost along the way. yeah!

Von einer Sekunde zur anderen steckt man im Leben der Besonderen. Inklusion ist ein Prozess. Für die Familie und Faith ist das knallharter Alltag. Allerdings zur Zeit sehr exklusiv.  Alles muss umgebaut werden. Ist schwer. Geht, irgendwie! Muss ja!  Die Barrieren liegen im Außen, im System. Wo geht´s hier bitte schön wieder rein.   Oh my Little sister, don’t she’d no tears.

Heute Premiere

Zwei junge Männer stehen auf der Bühne. Der linke Mann spielt auf einer Gitarre und singt in ein Mikrophon. Der rechte junge Mann hält ein Mikrophon in der Hand. Im Hintergrund stehen die riesigen Stellwände mit dem Blick aus dem Fenster.
Die beiden singen sehr warm und schön eigene Songs. Und einen Song für Faith: No woman, no cry!
Everything´s gonna be allright….

Zwei Mitschüler sind heute zum ersten Mal in der Formation M.O.K.  mit Gitarre und Gesang aufgetreten. Mit eigenen Texten. Und dann mit einem Coversong. Gewünscht von Faith: No woman, no cry.

Und wenn man dann dort sitzt, zwischen Feuerzeug schwenkenden Freunden und Faith sitzt oben neben der Technik im Rollstuhl und die Zuschauer singen leise mit, und wir alle konnten nicht aufhören in Dauerschleife zu singen Everything´s gonna be allright, dann, dann spürt man irgendwie alles, was geht und was nicht.  Dann will man verflixt noch mal Rampen und Ideen. Das muss doch gehen, dass Faith in seine Schule gehen kann. Nach so viel Kampf um Bewegungs-Freiheit kann es doch nicht an Treppen scheitern! Im Inklusionsland!  Noch ist nicht klar, wo Faith ab Mai beschult wird. Ein Schulumbau ist natürlich teurer als ein Bus in die Förderschule.  Wer bezahlt hier welchen Preis?

Benefizkonzert für Faith

Ein Chor mit vielen Menschen steht auf der Bühne. Alle sind schwarz gekleidet und haben rote Accessoires wie Gürtel, Kravatten oder Schmuck. Es sieht sehr schön aus. Eine Dirigentin steht davor und bringt den Chor mit ihren tanzenden Bewegungen zum Schwingen. Ein Klangkörper füllt den Theaterraum. Die witzigen und klugen Texte bringen zum Lachen und Weinen.

Cause I prayed for strength. And I got pain that made me strong

I prayed for courage. And got fear to overcome

When I prayed for FAITH. My empty heart brought me to my knees

I don’t always get what I want

I get what I need