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Posts Tagged ‘EinfachSein’

das war der Untertitel des Auftaktseminares zum „Zertifikat Inklusive Schule“.  Sehr inklusiv waren die Teilnehmenden, sehr besonders die teilgebenden Institutionen.

Die Idee kam von Melanie Korn,  Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrerbildung der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Sie entwirft u.a. extracurriculare Zertifikate für Studierende des Lehramts an Gymnasien. Und das tut sie mit Hingabe, großartigen Ideen und einem unglaublichen Netzwerk.  Mit im Boot für das Zertifikat Inklusion saß von Anfang an auch Martina Heesch, Referentin für Inklusion beim Jugendpfarramt der Nordkirche, einem großen Herz für besondere Menschen und der Idee zu wundervollen Projekten. Auch Britta Hemshorn de Sanchez vom PTI Hamburg, ebenfalls mit Herz für die Inklusion und der Gabe diese anschaulich zu präsentieren.

Ich geb´s zu. Ich fuhr natürlich auch mit.  Und 12 StudentInnen des Lehramts an Gymnasien der CAU. In ihrer Freizeit. Extracurricular. Chapeau!

Gott sei Dank! Denn es war einfach klasse. Diversität zum Anfassen.

Nach Kennlernübungen und Improtheater folgte am Freitag Abend das gemeinsame Schauen des Films BergFidel. In der anschließenden Diskussion war die Bewegung, die dieser Film auslöst spürbar.

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Viele Menschen laufen schnell durch einen Stuhlkreis. Sie versuchen einen Platz zu ergattern.

Am Sonnabend vormittag fanden viele Übungen zum Thema BarriereFreiheit im konkreten wie im übertragenen Sinn statt.

Z.B. beschreibt man blind ein seltsames Maschinenteil, welches man zum Fühlen in die Hand bekommt, ein an meinem Rücken sitzender Parter zeichnet es nach meiner Erklärung. Deutlich wurde, ich brauche eine Sprache, ich brauche Erfahrung und Begriffe, um etwas zu be-greifen, es zu be-schreiben.

Nach einem anschaulichen Vortrag über Inklusion, an dem mich besonders das Experiment mit „Vogelkacke auf Asphalt“ aus dem Buch von Gerald Hüther „Innere Bilder“ beeindruckt hat, kamen auch schon die weiteren Mitspieler  zum Koppelsberg.

Zum Beispiel die Band „Gangway“  von den Kappelner Werkstätten,  Katrin Ziese und Nadine mit zwei Hunden vom „mixed pickles e.V“ aus Lübeck, und drei jugendliche Artisten des inklusiven Circus Claudini der Matthias-Claudius-Schule Grundschule und Förderzentrum aus Kiel.

Alle Projektpartner aus der Praxis hatten  20-30 min Zeit sich zu präsentieren. Nach einer weiteren Stunde Mitmachaktion und Murmelphase fiel die Entscheidung der Studenten, in welchem Praxisfeld sie gern bis zum 12. Juni Inklusion erproben möchten. Es wurde jongliert, gebellt und die Band probte. Lachen, Dialoge, Erstaunen über so viele Gemeinsamkeiten.

Und ein viertes Projekt. Fight für Faith, den 17-jährigen Schüler, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist und die gymnasiale Oberstufe nicht mehr in seiner Schule erleben kann.

Für jedes Praxisfeld fand sich eine Gruppe StudentInnen. Freiraum zur kreativen Erprobung inklusive. Auch im Circus.

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Vor einen Schild mit der Aufschrift: Ballspiele sind im Innenhof nicht gestattet, sieht man zwei Menschen Jonglieren.

Ich geb zu. Die Artisten, das sind meine Schüler. Mitten in den Ferien kamen sie mit dem Zug nach Plön, um den Circus vorzustellen- und sie haben es großartig gemacht mit ihrer Präsentation auf dem Hochrad, der Feuerjonglage und der Anleitung zur Jonglage von GymnasiallehramtsstudentInnen. Sehr kompetenzorientiert.   Ich bin stolz auf sie.

Die Nacht  war kurz-dank der genialen Band-  und ich konnte am Sonntag leider  nicht mehr den vielversprechenden Beitrag von Elisabeth Wazinski zu „Einfache Sprache“ hören, doch die Bilanz einer Studentin klingt mir noch im Ohr: „Es war absolut sinnvoll, dieses Wochenende am Anfang hier zu erleben. Raus aus dem Alltag. Ich konnte richtig eintauchen in das Thema und empfinde es als sehr bedeutsam. Ich freu mich total, dass ich das gemacht habe.“

Ich glaube mehr geht nicht. Ich bin begeistert und dankbar. Es hat solche Freude gemacht mit allen besonderen Menschen dieses Wochenende zu erleben.

Also ich freu mich auf morgen. Da kommen 2 Studentinnen zum Circus Claudini. Und die haben Lust auf Inklusion.

Ich auch.

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Performancegruppe von Wübke Rohfls-Grigull

5 Frauen stehen auf einer Bühne. Große Stellwände zeigen einen Blick aus dem Fenster auf ein Kornfeld. Eine Gardine weht. Eine junge Frau und eine ältere schwenkeln ein Tau. 4 Frauen stehen hinter der älteren Frau. Sie stehen an, als ob sie gleich mit Seilspringen dran wären. Atmosphäre von Kinderspiel und doch Wehmut

Stell dir vor es sind Sommerferien. Der erste Tag. Endlich. Stell dir vor du bist 16. Ein Mädchen. Ein Junge. – Egal. Du bist jung. Everything’s gonna be allright.  Du schwingst dich auf dein Fahrrad oder Mofa und fährst über die Dörfer zur Party. Doch du kommst nie an. In this bright future you can´t forget the past. Das nächste was du mitbekommst ist Schmerz.  Überall. Innen und Außen, du hattest einen Unfall und es ist nicht klar, was noch geht.

Das ist keine Geschichte, das ist ein Leben. Seit letztem Sommer das von Faith (FA-IT ausgesprochen). Er ist mittlerweile 17, kann sich im Bereich des Oberkörpers wieder bewegen. Das hat Kraft gekostet. Unglaublich viel Kraft. Faith will. Er will wieder dabei sein. Er will wieder zur Schule gehen. Die Schule will ihn auch.

Kein Problem im Inklusionsland Schleswig-Holstein?

Said I remember when we used to sit. In the government yard in Trenchtown Oba, ob-serving the hypocrites. As they would mingle with the good people we meet.

Heute konnte man Inklusion hautnah erleben. Die Inklusion, die von In-nen kommt.  Die Inperteninklusion. Die Familie, Freunde, Lehrer und Bekannte haben ein FestFürFaith in seiner Schule auf die Beine gestellt.  Ein Spendenkonto wurde eingerichtet, damit er einen Spezialrollstuhl erhält, der ihm hilft seine EigenStändigkeit zu vergrößern.

Die Schule stellte die Aula,  die Mensa und die Bühne zur Verfügung. Viele Schüler halfen mit.  Ein  tolles Buffet, viele Helfer für Logistik, Technik, …, viele Gäste, eine Tanzperformance, Redebeiträge, ein Chor, eine One.ManShow, eine große Band , … alle Künstler traten ohne Gage auf.   Bilder wurden verkauft. Auch die der Schulleiterin. So viel Engagement.

Die Beiträge berührten sehr.  Ein Lehrer wünschte sich, „… dass Faith wieder normal zur Schule gehen kann.“  Die meisten Gäste konnten über viele Treppen problemlos zum Theatersaal gelangen.  Auch Faith?  Barrierefrei ? Vielleicht haben ihn seine Freunde getragen? Good friends we have had, oh good friends we’ve lost along the way. yeah!

Von einer Sekunde zur anderen steckt man im Leben der Besonderen. Inklusion ist ein Prozess. Für die Familie und Faith ist das knallharter Alltag. Allerdings zur Zeit sehr exklusiv.  Alles muss umgebaut werden. Ist schwer. Geht, irgendwie! Muss ja!  Die Barrieren liegen im Außen, im System. Wo geht´s hier bitte schön wieder rein.   Oh my Little sister, don’t she’d no tears.

Heute Premiere

Zwei junge Männer stehen auf der Bühne. Der linke Mann spielt auf einer Gitarre und singt in ein Mikrophon. Der rechte junge Mann hält ein Mikrophon in der Hand. Im Hintergrund stehen die riesigen Stellwände mit dem Blick aus dem Fenster.
Die beiden singen sehr warm und schön eigene Songs. Und einen Song für Faith: No woman, no cry!
Everything´s gonna be allright….

Zwei Mitschüler sind heute zum ersten Mal in der Formation M.O.K.  mit Gitarre und Gesang aufgetreten. Mit eigenen Texten. Und dann mit einem Coversong. Gewünscht von Faith: No woman, no cry.

Und wenn man dann dort sitzt, zwischen Feuerzeug schwenkenden Freunden und Faith sitzt oben neben der Technik im Rollstuhl und die Zuschauer singen leise mit, und wir alle konnten nicht aufhören in Dauerschleife zu singen Everything´s gonna be allright, dann, dann spürt man irgendwie alles, was geht und was nicht.  Dann will man verflixt noch mal Rampen und Ideen. Das muss doch gehen, dass Faith in seine Schule gehen kann. Nach so viel Kampf um Bewegungs-Freiheit kann es doch nicht an Treppen scheitern! Im Inklusionsland!  Noch ist nicht klar, wo Faith ab Mai beschult wird. Ein Schulumbau ist natürlich teurer als ein Bus in die Förderschule.  Wer bezahlt hier welchen Preis?

Benefizkonzert für Faith

Ein Chor mit vielen Menschen steht auf der Bühne. Alle sind schwarz gekleidet und haben rote Accessoires wie Gürtel, Kravatten oder Schmuck. Es sieht sehr schön aus. Eine Dirigentin steht davor und bringt den Chor mit ihren tanzenden Bewegungen zum Schwingen. Ein Klangkörper füllt den Theaterraum. Die witzigen und klugen Texte bringen zum Lachen und Weinen.

Cause I prayed for strength. And I got pain that made me strong

I prayed for courage. And got fear to overcome

When I prayed for FAITH. My empty heart brought me to my knees

I don’t always get what I want

I get what I need

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