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Posts Tagged ‘Kulturelle Bildung’

DabeiSein ist Alles

Inklusion, hmm, miteingeschlossen sein, also nicht mehr ausgeschlossen sein, also DabeiSein. Das konnte man gestern wieder einmal im inklusiven Kinder- und Jugendzirkus  „Circus Claudini“ wahrnehmen.

DabeiSein. Nicht ausgeschlossen Sein. Miteingeschlossen sein.

Inklusiver Zirkus bedeutet immer Herausforderung. Überraschung.

Über sich hinauswachsen.

Dafür war reichlich wieder einmal Gelegenheit. Auf allen Ebenen.

Gestern war Auftrittstag im „Circus Claudini“. Die Weihnachtsaufführung. Vormittags vor der Schulgemeinschaft, nachmittags Eltern, Verwandte und Freunde. Da kommen schon sehr viele Menschen zusammen. Unsere 30 Artisten fieberten diesem Tag entgegen. Die Hauptrollen probten in den letzten Wochen in jeder große Pause zusätzlich.

Das Team war durch biographische Ereignisse erst seit den Herbstferien auf neue Trainerfüße gestellt und diese wurden nach softem Einstieg gleich in die heiße Phase des Auftritts katapultiert. Soweit alles gut, trotz vieler Fragezeichen, die es auszuhalten gab. Die Nummern standen. Die Kostüme waren herausgesucht, beschriftet, Körbe gepackt. Es fehlten noch 2  Seiten To-do-Listen Kleinigkeiten, die den letzten Schliff geben.  Da passierte es.

Eine der beiden Zirkusdirektorinnen wurde sehr plötzlich ins Krankenhaus eingewiesen. Hing am Tropf. War eingeschlossen. Aber ganz woanders.

Was nun? Das Team war brandneu. Die andere Leitungskollegin machte erst seit Sommer mit und hatte eine Zirkusveranstaltung noch nie durchgeführt, doch sie verfügte glücklicherweise über reichlich Erfahrung aus anderen Bereichen kultureller Bildung.

30 Artisten und ihren Familien absagen? Den Weihnachtsauftritt verschieben?

Den auf dem Schulhof hüpfenden Kindern „Ich komm zum Zirkus, ich komm zum Zirkus!“ sagen, dass es ausfällt?

Kommt gar nicht in Frage! The Show must go on!

Danke an die Kollegin für diesen Mut der Entscheidung! Chapeau!

Nun ging alles ganz schnell. Das neue Team wurde spontan unterstützt von alten Trainerhasen, die sich für diesen Notfall freigenommen hatten. Damit die Artisten Sicherheit haben. Damit die gefühlten 1000 Kleinigkeiten der To-do-Listen auch bearbeitet werden konnten.

Absprechen, sich einspielen, auf einander hören, einander vertrauen war jetzt mehr denn je angesagt. Und hepp! Herausforderung! Im Team!

Uuuuund ?

Alles lief wunderbar. Alle waren sehr präsent und glühten. Das Publikum dankte mit tollem Applaus. Es war ein wundervoller Tag. Hepp!

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Sechs Artistinnen zeigen als Engel verkleidet eine Akrobatikübung. Drei Engel stehen hinten wie ein Fächer. Der mittlere Engel hält die beiden anderen an den Händen, die sich seitlich fallen lassen. Die vorderen Engel machen alle eine Brücke. Sie sind weiß gekleidet und werden vom Scheinwerferlicht pink angestrahlt. Im Hintergrund sieht man den Weihnachtsmann.

Und Alles Inklusiv: Die kranke Zirkusdirektorin durfte den traditionellen Mutspruch vor dem Auftritt per Telefon zu den Artisten sprechen. Das hat sehr berührt. DabeiSein. Nicht ausgeschlossen sein, weil man krank ist. Nicht rausgefallen sein aus dem System, weil man plötzlich nicht mehr funktioniert. Getragen werden und in Kontakt sein mit der Gemeinschaft.

Das ist es doch, der Pufferfaktor „Soziale Unterstützung“, der gesund erhält und gesund macht, auch wenn man „krank“ bleibt.

Zirkus bietet Gemeinschaft. In der Gruppe und im Team, in der gegenseitigen Wertschätzung kann Zirkus seine Schönheit in der Mitmenschlichkeit entfalten.

Das kommt an. Beim Publikum. Im Herzen.

DabeiSein ist Alles.

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das war der Untertitel des Auftaktseminares zum „Zertifikat Inklusive Schule“.  Sehr inklusiv waren die Teilnehmenden, sehr besonders die teilgebenden Institutionen.

Die Idee kam von Melanie Korn,  Mitarbeiterin am Zentrum für Lehrerbildung der Christian-Albrecht-Universität Kiel. Sie entwirft u.a. extracurriculare Zertifikate für Studierende des Lehramts an Gymnasien. Und das tut sie mit Hingabe, großartigen Ideen und einem unglaublichen Netzwerk.  Mit im Boot für das Zertifikat Inklusion saß von Anfang an auch Martina Heesch, Referentin für Inklusion beim Jugendpfarramt der Nordkirche, einem großen Herz für besondere Menschen und der Idee zu wundervollen Projekten. Auch Britta Hemshorn de Sanchez vom PTI Hamburg, ebenfalls mit Herz für die Inklusion und der Gabe diese anschaulich zu präsentieren.

Ich geb´s zu. Ich fuhr natürlich auch mit.  Und 12 StudentInnen des Lehramts an Gymnasien der CAU. In ihrer Freizeit. Extracurricular. Chapeau!

Gott sei Dank! Denn es war einfach klasse. Diversität zum Anfassen.

Nach Kennlernübungen und Improtheater folgte am Freitag Abend das gemeinsame Schauen des Films BergFidel. In der anschließenden Diskussion war die Bewegung, die dieser Film auslöst spürbar.

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Viele Menschen laufen schnell durch einen Stuhlkreis. Sie versuchen einen Platz zu ergattern.

Am Sonnabend vormittag fanden viele Übungen zum Thema BarriereFreiheit im konkreten wie im übertragenen Sinn statt.

Z.B. beschreibt man blind ein seltsames Maschinenteil, welches man zum Fühlen in die Hand bekommt, ein an meinem Rücken sitzender Parter zeichnet es nach meiner Erklärung. Deutlich wurde, ich brauche eine Sprache, ich brauche Erfahrung und Begriffe, um etwas zu be-greifen, es zu be-schreiben.

Nach einem anschaulichen Vortrag über Inklusion, an dem mich besonders das Experiment mit „Vogelkacke auf Asphalt“ aus dem Buch von Gerald Hüther „Innere Bilder“ beeindruckt hat, kamen auch schon die weiteren Mitspieler  zum Koppelsberg.

Zum Beispiel die Band „Gangway“  von den Kappelner Werkstätten,  Katrin Ziese und Nadine mit zwei Hunden vom „mixed pickles e.V“ aus Lübeck, und drei jugendliche Artisten des inklusiven Circus Claudini der Matthias-Claudius-Schule Grundschule und Förderzentrum aus Kiel.

Alle Projektpartner aus der Praxis hatten  20-30 min Zeit sich zu präsentieren. Nach einer weiteren Stunde Mitmachaktion und Murmelphase fiel die Entscheidung der Studenten, in welchem Praxisfeld sie gern bis zum 12. Juni Inklusion erproben möchten. Es wurde jongliert, gebellt und die Band probte. Lachen, Dialoge, Erstaunen über so viele Gemeinsamkeiten.

Und ein viertes Projekt. Fight für Faith, den 17-jährigen Schüler, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist und die gymnasiale Oberstufe nicht mehr in seiner Schule erleben kann.

Für jedes Praxisfeld fand sich eine Gruppe StudentInnen. Freiraum zur kreativen Erprobung inklusive. Auch im Circus.

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Vor einen Schild mit der Aufschrift: Ballspiele sind im Innenhof nicht gestattet, sieht man zwei Menschen Jonglieren.

Ich geb zu. Die Artisten, das sind meine Schüler. Mitten in den Ferien kamen sie mit dem Zug nach Plön, um den Circus vorzustellen- und sie haben es großartig gemacht mit ihrer Präsentation auf dem Hochrad, der Feuerjonglage und der Anleitung zur Jonglage von GymnasiallehramtsstudentInnen. Sehr kompetenzorientiert.   Ich bin stolz auf sie.

Die Nacht  war kurz-dank der genialen Band-  und ich konnte am Sonntag leider  nicht mehr den vielversprechenden Beitrag von Elisabeth Wazinski zu „Einfache Sprache“ hören, doch die Bilanz einer Studentin klingt mir noch im Ohr: „Es war absolut sinnvoll, dieses Wochenende am Anfang hier zu erleben. Raus aus dem Alltag. Ich konnte richtig eintauchen in das Thema und empfinde es als sehr bedeutsam. Ich freu mich total, dass ich das gemacht habe.“

Ich glaube mehr geht nicht. Ich bin begeistert und dankbar. Es hat solche Freude gemacht mit allen besonderen Menschen dieses Wochenende zu erleben.

Also ich freu mich auf morgen. Da kommen 2 Studentinnen zum Circus Claudini. Und die haben Lust auf Inklusion.

Ich auch.

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Inklusion-

dieses Wort für das Anerkennen der Würde jedes einzelnen Menschen und die barrierefreie Möglichkeit ihm überall zu begegnen, entwickelt sich mancherorts zum Reizklang, auf den mit pawlowschem Reflex  Augenverdrehen folgt.

Warum?

Weil es eben nicht reicht nur Bordsteine abzusenken.

Weil die Barrieren eben noch noch Barrikaden sind.

Weil die Fremdheit Verunsicherung auslöst.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter gab nach ihrer Arbeitstagung im November 2012 ein Schreiben  heraus,  welches Orientierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit geben soll.

113_Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit

Es „geht um alltagstaugliche und praxisnahe Zugänge; es geht darum Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen mehr als bisher die besonderen Potentiale der Kinder- und Jugendarbeit zu erschließen, sie aktiv zu beteiligen und mit ihnen an ihren Interessen orientierte, selbstbestimmte Angebote zu gestalten.“

Die offene Kinder- und Jugendarbeit ist im Prinzip gut auf die Inklusion vorbereitet, hat sie doch in ihrer Struktur nichts Separierendes vorgesehen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, der Umgang mit Vielfalt, das Herantasten an Fremdes in einem Freiraum, der zur Selbstgestaltung und Eigenverantwortung aufruft, ist Programm.

Ich verstehe das Schreiben als einen Appell, die Stärken dieses Felds noch deutlicher zu nutzen und Möglichkeiten kultureller Bildung zu schaffen, damit Inklusion in der nächsten Generation selbstverständlich ist.

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Alles inklusive? Wüste oder Oase? Wie soll das denn gehen?

Diese Frage stellt sich auch der Bundesverband der Freien und Alternativschulen. Daher geht es  vom 21. -23.09. 2012 beim Bundestreffen des bfas in der inklusiven Kinderschule in Bremen um Inklusion.

»Alles inklusive?«
Klingt irgendwie nach günstigem Gesamtpaket und nicht nach Qualität. Wie sieht die Praxis inklusiver Pädagogik aus? Welche Qualitätsmerkmale beschreiben eine »gelungene« Inklusion? Welche Stolpersteine begegnen uns auf dem Weg zu einer inklusiven Pädagogik?
Als inklusive Schule freut sich die Kinderschule Bremen auf einen spannenden Austausch rund um inklusive Themen.

Anmeldungen bis morgen  über die Webseite www.bfas2012.de möglich.

 

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Schule und Kultur? Ach, ja! Tief durchatmen. Klaren Geist behalten. Die Begriffe gehören zusammen. Irgendwie.

Was sagt eigentlich unsere Göttin des Wissens 2.0 Wikipedia zum Thema ? #Iphone.#Klick, wisch. #Mal sehen.

Kultur: lat. „cultura“-  Bearbeitung, Pflege, den Acker bestellen  von  colere: wohnen, pflegen, verehren-Kultur sei alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt. „ (http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur)

Schule: „lat. schola- Ursprungsbedeutung: „freie Zeit“ – Schule ist eine Institution, deren Aufgabe das Lehren und Lernen ist, also die Vermittlung von Wissen und Können durch Lehrer an Schüler.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Schule)

Freie Zeit? Bitte? Liebe Wikipedia, woher hast du dieses Wissen? Aus Erfahrung sicher nicht, wo doch jeder weiß wie unfrei unsere stets bewertete Zeit in der Schule ist.

Wie wahr und gut und ästhetisch könnte unser Leben sein, wenn in unseren Schulen landauf, landab freie Zeit für die selbsttätige Gestaltung wohnen dürfte, freie Zeit für die Störungen eingeplant, die Kinder gepflegt und bei der Bearbeitung ihres persönlichen Ackers auf dem Weg zum kompetenten Bürger begleitet würden. Trockene Landschaften bedürften mehr Bewässerung, Üppiges, fruchtbares Land könnte Ableger bilden.  Kulturlandschaften eben. Vielfalt.

Kultur und Schule. Zusammen, was zusammen gehört.

2009 ist diese Vision einer „KulturSchule“ im 3. Band der Publikationen des BKJ  (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung) unter dem Titel„Kulturelle Schulentwicklung“ ausführlich beschrieben worden. (http://www.bkj.de/pub./magazin-kulturelle-bildung.html)

Doch Ackerpflege braucht Zeit. Der am 27.Juni in Berlin vorgestellte vierte nationale Bildungsbericht 2012  hatte eben jene Teil-Bildung  (?) zum Schwerpunktthema. Unbestritten positiv äußern sich Experten zur sozialen Wertschöpfung: „Kulturelle Bildung“ sei ein Schlüssel zu mehr Teilhabegerechtigkeit und zentral für die Persönlichkeitsentwicklung.

Besonders Ganztagsschulen stehen im Fokus, bieten sie doch „nicht sozial selektiv“ die Chance, Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten mit Angeboten kultureller Bildung in Kontakt zu bringen.

Zwar zeigt die Datenlage „eine Glatze“ bezüglich der Erhebung „Kultureller Aktivitäten“  an Schulen, dennoch sei das Interesse jugendlicher Menschen groß.(vgl. www.bkj.de/all/artikel/id/632.html)

Kultur und Schule. Ach ja, Tief durchatmen.

Spätestens seit dem öffentlichkeitswirksamen Film „Rhythm is it“  dürfte doch jedem Lehrer glasklar geworden sein, dass alles möglich ist mit Schülern durch ÄSTHETISCHE Bildung- Musik, Theater, Kunst.  Studien zeigen, dass Schüler, die in Mathe schlecht sind und in Musik gut nicht besser werden, wenn man Musik vernachlässigt und mehr Mathe paukt. Sondern Mathe lässt und Musik fördert. Das passt irgendwie nicht in unser kulturell vererbtes Leistungsdenken.

Doch burn-out-gefährdete engagierte und visionäre Kunst-Musik-Darstellende Kunst -Praktiker aller Schulen zeigen es auch allerorten als versteckte best-practise. Diejenigen Schulen schneiden bei PISA am besten ab, die Kultureller Bildung  einen ebenso großen Raum geben wie dem Erwerb von Faktenwissen.  Die Nase vorn in Deutschland haben Schulen wie die ESBZ, die aus dem Wissen um die Bedürfnisse des jungen Menschen ein Netz stricken, welches genug Maschen hat, um zu halten: Aufgeschlossene mutige Lehrerinnen und Lehrer als Mentorinnen und Mentoren, voran eine offene Schulleitung, ein Raumkonzept in Bewegung, Zeitliche Rhytmisierung,  Wissensangebot durch Methodenvielfalt und Nutzung moderner Technik und genug Luft dazwischen für die eigene Entwicklung: intrinsische Motivation durch konsequente Teilhabe an eigenen Projekten, Herausforderung als Prinzip.  Schülerinnen und Schüler geben über die Landesgrenzen hinaus Fortbildungen für Lehrkräfte. Die Ergebnisse des vision summit 2012 begeistern. Strike!

Ich wiederhole ich mich in diesem Blog. Ich bitte um Entschuldigung. Doch irgendwie wiederholen sich auch die Schlagzeilen über unsere Bildungsmisere. Bitte, bitte, gibt es dort draußen noch mehr Menschen, die etwas WOLLEN?  Die vom Bildungsbewusstsein über Bildungserkenntnis zum Bildungshandeln kommen und nicht im Bildungsparlieren steckenbleiben möchten? Föderalismusübergreifend?   Der Mensch ist doch in Bayern entwicklungspsychologisch nicht schneller als in Hessen? Oder ist dort das erste Wort nicht Mama, sondern Gymnasium?

Der Mensch lernt immer, schon vorgeburtlich, da sein Gehirn stets Reize seiner belebten und unbelebten Umwelt verarbeitet und verknüpft. Eine subjektive Bedeutsamkeit  basierend auf genetischen Bedingungen den Bedingungen seiner Umwelt und den ihm entgegengebrachten Werten seiner Gemeinschaft formen seine emotionalen Erfahrungen und legen neuronale Muster fest. Verbunden ist diese neurophysiologische Netzwerktätigkeit stets mit der Wechselwirkung mit anderen Individuen seiner sozialen Gemeinschaft. Aus diesen Verknüpfungen der Verknüpfungen resultieren seine Erfahrungen. Durch Versprachlichung dieser Erfahrungen ist er in der Lage darüber zu raisonieren und schafft neue Verknüpfungen. Er drückt sich aus, er stößt an Grenzen, seine eigenen und die seines Gegenübers, seiner Gemeinschaft.  Er ist Mensch. Ein Ich und wird zum Menschen über das Du. Ein Teil einer Gesellschaft, die sich weiterentwickelt und ein ganzer Mensch, der sich weiterentwickelt.

Mensch und Gesellschaft ? Schule und Kultur?

Ich und Wir? Freie Zeit und Alles, was der Mensch gestaltend hervorbringt.

Ich hätte da eine bescheidene Idee für Schulentwickler. Vielleicht auch eine praktische Vision. Lehrplaninhalte und Kulturelle Bildung verknüpfend, also Zwangsaufenthaltsort Schule meets Gedankenfreiheit:

Schaffe den Rahmen, den Raum, schenke angemessene Zeit, gib Ressourcen (Menschen und Material), gib jedem jungen Menschen als Kultur-Teilnehmer die Chance auch ein Kultur-Teilgeber zu sein. Lass die Wissensthemen von einem „Ding an sich“ zu einem „Ding für mich“ werden, wie schon Dewey und Kilpatrick vor 100 Jahren forderten.  Lass den Prozess zu, sei offen für kreative Ideen und ein Handlungsprodukt, welches du noch nicht kennst. Weil es innovativ und individuell für die einzelnen Teilnehmer und die Gruppe ist.

Schaffe Kultur! Berücksichtige Vielfalt! Lebe Inklusion!

Was Pädagogen auf innovativen Kongressen begeistert kann doch für Schüler nicht falsch sein, oder ?  Es berücksichtigt neurophysiologische und soziale Dimensionen des Lernens wie:

Neugier- Eu-Stress- Dis-Stress- Herausforderung-Beziehung-Wertschätzung-Flow

O.K. der Lernvorgang ist nicht wirklich operationalisierbar, die einzelnen Lernschritte nicht vorhersehbar, der unterrichtliche Dreischritt kaum einsetzbar, 45-Minuten-Rhythmus auch selten einhaltbar,  das Ergebnis nicht kontrollierbar – doch-  Schüler häufig unerhört motiviert, der Lerngegenstand aus neuen Perspektiven verstehbar, die Arbeitsatmosphäre bisweilen höchst anstrengend chaotisch bis  konzentriert, die uneingeforderten Reflexionen betroffen machend.

Hoffnung bietet der Wieder-Einzug der „Kulturellen Bildung“  in Schule,  eine Chance für eine neue Schulkultur. Dann, wenn „Kulturelle Bildung“ den Fächerkanon aufweicht, wenn im Unterricht übergreifend thematische und methodische Vernetzungen hergestellt werden, wenn sie zu einer anderen Rhythmisierung, Raumorientierung und Beziehungsqualität führt. Wenn sie den Menschen pflegt. Wenn Frei-Zeit-Kultur auch vormittags stattfindet.

Wenn „Kulturelle Bildung“ alledings abgespalten am Nachmittag der offenen Ganztagschule als Ausgleich für den 45-Minuten-Unterricht der Kernfächer herhalten muss, dann…

 

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 31.05.2012. Weltspieltag. Es ist kurz vor Mitternacht. Ich stehe allein im zweiten Stock in einer Nische des langen Schulflures. Es ist stockdunkel, mein Herz klopft, ich unterdrücke ein Kichern und irgendwie ist mir auch mulmig. Ein vertrauter Ort, eine ungewohnte Zeit, ein anderer Kontext. Ich warte auf meine Schülerinnen und Schüler einer Förderschule. Wir spielen „Verstecken im Dunkeln“, das Ende unseres von ihnen liebevoll so genannten „Geilen Tages“, die Belohnung für vier Wochen gute Mitarbeit. Was wir machen, wird von Ihnen vorgeschlagen und demokratisch abgestimmt.  Eine Übernachtung wollten sie. Mein Referendar ist begeistert, ich denk an Work-Life-Balance.

Da, sie kommen, ich höre sie, es rauscht in meinen Ohren. Gleich werden sie mich entdecken, soll ich sie erschrecken?  Doch sie laufen an mir mit Tarzangeschrei vorbei. Sie haben mich tatsächlich nicht gesehen. Ich muss schmunzeln und werde unvorsichtig, da schlurft ein mutiger Schüler allein hinter der Rotte her, wir erschrecken beide und müssen erleichtert lachen – ein tolles Spiel.

Was spielt die Welt?

Deutschland gegen Holland spielt 2:1- jeder weiß dieses Sprachkürzel zu deuten, denn auch heute am 14.06.2012 ist wieder Weltspieltag, weil jeden Tag Weltspieltag ist. Zum Glück! Spiel und Mensch gehören zusammen wie Feuer und Flamme. Wie Toffi und Fee. Wie Fuß und Ball. Spiel stiftet Identität, Spiel macht Sinn. Spiel macht Kontakt, Spiel bewegt, Spiel macht Spaß. Spiel macht schlau.

ludo cogito sum!

Von klein auf an spielen wir Funktionsspiel, Symbolspiel, Rollenspiel, Brettspiel, Mitmachspiel, Bewegungsspiel, Laufspiel, Lernspiel, Konzentrationsspiel, Mannschaftsspiel, Machtspiel, Kennlernspiel, Liebesspiel, Geduldsspiel, Spiel- ein Tausendsassa? Ein Begriff für so viel Diversität?

Spiel an sich gibt es gar nicht. Und irgendwie doch. Ein seltsames Ding. Die Anfänge des Spiels waren das mutige Explorieren in der sich zunehmend kultivierenden menschlichen Umwelt. Spiel half am Anfang der Menschheit als ritueller Rahmen Übernatürliches zu verstehen, später sozialpolitische Prozesse zu spiegeln.  Auch heute ist Spiel an unserer soziokulturellen Weiterentwicklung stark beteiligt. Welche gesellschaftlichen Veränderungen ergeben sich gerade jetzt aus der Macht der Video-Games und socialnet-flirts? Die Gefühle, Flow-  sind dieselben, die Spielformen vollkommen andere.

Ich wollte wissen, wann dieses Phänomen des Spiels das letzte Mal bewusst wahrgenommen wurde und postete vor einiger Zeit die Frage auf Twitter:

„Wann hast du das letzte Mal im Spiel „Flow“ erlebt?“

Es gab nur eine einzige Rückmeldung. Was hat das zu bedeuten? Spielen Twitterer nicht?  Meine zehnjährige Tochter antwortete: Doch, Twitter ist ja ein Spiel für Erwachsene, weil sie so vertieft darin sind, dass sie einen nicht hören, wenn man ruft!“ – Aha, Flow  eben!

Die Antwort auf die Twitterfrage kam von @ciffi „als ich beim Monopoly mit den Jungs loszog, um im Copyshop frisches #Flow-Geld zu drucken und wir nen Rettungsfonds gründeten.“ und vor dem inneren Auge ploppt ein Film auf, der Wesentliches vom Spiel finden lässt: mich einlassen, konzentrieren, die Welt um mich herum aus dem Focus nehmen, aus einem vorgegebenen Rahmen etwas Eigenes entwickeln, selbstständig handeln, mit anderen zusammen ein gemeinsames Ziel er-finden, es verfolgen, wieder verwerfen, Neues erschaffen, sich spüren, er-leben.

Was ist denn das mit diesem Spiel, wenn irgendwie Spiel alles ist und doch nicht alles Spiel?

Für Rousseau (1762) ist das Spiel die zwanglose Natürlichkeit, für Schiller (1793) ein ästhetischer Zustand, Fröbel (1826) sah es als höchste Stufe der Kindesentwicklung, Kerschensteiner (1923) sah Spiel im Gegensatz zur Arbeit und Bühler (1929) versuchte Spiel durch Funktionslust zu erklären.  Ursprung, Ideal, Konkretion, Prozess- ja, was denn nun?

Der Erziehungswissenschaftler Hans Scheuerl erforschte Mitte des letzten Jahrhunderts intensiv die Spieltheorien von der Antike bis zur Moderne und versuchte die Frage nach dem Wesen des Spiels zu klären.  Weiter ist man bis heute wissenschaftlich auch nicht gekommen. Er fasste das Phänomen so zusammen: „Bisher jedenfalls hat das Spiel noch jeder logischen und definitorischen Endgültigkeit der Philosophien und Wissenschaften sein Schnippchen geschlagen. Das scheint so seine Art: Nicht nur dem theoretisierenden Betrachter, auch dem Spieler selbst schlägt es ja immer wieder sein Schnippchen: Es zieht ihn in seinen Bann, erregt und beglückt ihn; aber sobald er es beherrschen, erzwingen oder festhalten will, entwindet es sich seinem Zugriff oder bricht zusammen. Und doch ist es anderseits zugleich so einfach, dass es schon kleinen Kindern zugänglich ist. Es ist einfach und vielfältig, elementar und hochproblematisch zugleich. Es enthält offenbar eine Fülle von Paradoxien.“

Das Spiel mit dem Spiel

Das hört sich alles sehr vage an und doch gibt es einen Kern. Wer aufmerksam im pädagogischen Spielfeld unterwegs ist, der weiß diese Variabilität von Spiel zu schätzen. Sind es nicht genau jene Qualitäten, die das Leben bunt und lebenswert machen? Warum also nicht spielen mit dem Spiel, um Menschen zu erreichen, um kulturelle Entwicklung bewusst zu leben? Für den Spielpädagogen Rene Reichel bedeutet dies „pädagogisch begründete Absichten methodisch unterstützen. Dazu gehört vor allem: Alle möglichen Ausdrucksmittel heranziehen, weil erst in der Vielfalt von Bewegen, Malen, Sprachen, szenisch Spielen, Musik Machen und Erleben, Körperausdruck, Material Gestalten die ganzen Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen lebendig werden.

Ja, das will ich!  Morgen! Alles inklusive! Am Weltspieltag!

Homo ludens

 

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