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Archive for März 2012

Trauma statt Traumhaft- Misshandlung in der Kindheit hat massive Folgen für die Gehirnentwicklung

Eine amerikanische Studie fand heraus, was achtsame Pädagoginnen und Pädagogen schon lange als Gewissheit in sich tragen und durch Prof. Joachim Bauer in Freiburg auch postuliert wird:

http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/aktuelles1/show.php3?id=4162&nodeid=26

„Misshandlungen während der Kindheit können die Hirnentwicklung stören… “ Es kommt zu einer Verkleinerung des „Hiippocampus. Diese evolutionär gesehene sehr alte Hirnregion wird mit Gefühlen und Gedächtnis in Verbindung gebracht. “ Durch massiven Stress bei körperlicher Misshandlung oder Missbrauch können lebenslange Folgen für die Entwicklung dieses Bereiches entstehen. Am anfälligsten sei diese Region im Alter von drei bis fünf Jahren.

Diese Zeit der früh-kindlichen Entwicklung, in der die Welt zuächst als Ganzes sinnlich wahrgenommen wird, in der sich Sprache, Motorik, Kognition weiter entfaltet und ausdifferenziert durch neuronale Netzwerke, diese Zeit, in der das Kind zum ersten Mal „Ich“ sagt und sich der Welt gegenüberstellt, legt die Grundsteine für die eigene Konstruktion der Wirklichkeit. Der Raum, in dem sich misshandelte oder sexuell missbrauchte Kinder zutiefst verunsichert aufhalten, ist  ihr eigener Körper und der Zwischen den Menschen,  intime Räume, die uns  unser Leben lang begleiten.

Professionelle Schutzräume, Schutzzeiten sowie professionelle Begleitung durch Experten im Bereich Traumatherapie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie sind immens wichtig, um diese Lebensräume wieder ergreifen zu können, doch auch das tägliche Umfeld kann unterstützend wirken.

Wenn das eigene Zuhause keinen geschützten Raum bietet, ist es umso notwendiger die Orte, an denen Kinder sich aufhalten- also Kindertageseinrichtungen und Schulen–  als sichere Orte der Potentialentfaltung zu gestalten.  Dies gilt sowohl für den konkreten  architektonischen  Raum als auch den kommunikativen Beziehungsraum  zwischen den Menschen.

Mein TRaum:

Besonders Kinder, die traumatische Erfahrungen in sich tragen, benötigen neue sichere, positive, selbstwirksame Erlebnisse in von ihnen angenommenen oder sogar mitgestalteten Räumen mit achtsamen Menschen um wieder erste Schritte in die Aussenwelt mit ihren vielfältigen Anforderungen und Reizen zu gehen.  Und sie brauchen Raum für das Entäußern ihrer Eindrücke über kreative Verfahren: Spiel, Musik, Kunst- Felder die mit Raum arbeiten- Raum geben.

Oftmals ist es noch unerkannt, welche Traumata die uns umgebenden Kinder ins sich tragen. Es erfordert einen anderen Umgang mit den Ressourcen Zeit und Kraft: Kinder, die Probleme bereiten, haben Probleme. Achtsam sein, hinschauen, sich Zeit nehmen, Raum geben durch offene Aufgabenstellungen kann Kindern und ihren Gehirn helfen wieder ein sicheres Netz aufzubauen.

Mein Appell:

Im Aussen sind Vernetzungen mit professionellen Institutionen wie Kinderschutzentrum vor Ort unerlässlich, um als Pädagogin oder Pädagoge souverän handeln zu können. Fortbildungen im Bereich Gehirnentwicklung- Lernen- Auswirkungen von Traumata wären notwendig.

Im Innen: Wertschätzende Kommunikation fördert Aufbau neuronaler Strukturen. Den Fortbildungen über diese Art den zwischenmenschlichen Raum positiv zu gestalten wünsche ich mehr Aufmerksamkeit, denn sie beinhalten etwas Wesentliches.

Im Dazwischen: Im Sinne der Inklusion könnten Raumkonzepte in pädagogischen Institutionen überdacht werden, durch strukturelle, kommunikative und räumliche Veränderungen könnten für alle Kinder positive Lernräume – innen und aussen-entstehen.  Nutzen wir die Chance der Inklusion- verändern wir Räume –  aussen und innen-   und Entwicklung wird gefördert.

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Sieh da, am letzten Wochenende trafen sich 150 hochmotivierte Menschen aus unterschiedlichen Professionen rund um Bildung in Köln.  Ihr  Ziel war das EduCamp ecco12 im Format eines BarCamps um sich über das Lernen von morgen auszutauschen.

(Manuskript zum Kommentar des dlf hier zum nachlesen:  http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1707891/ )

Spannend an dieser UNkonferenz ist der andere Umgang mit den Ressourcen Raum, Zeit und Kraft.

Zu Beginn findet man leere Räume und eine leere Matrix.  Niemand weiß jetzt, welche Themen und Gruppen, welche Menschen moderieren oder präsentieren werden. Doch das Wesentliche ist vorhanden: Vertrauen in die Kompentenzen und Expertise der Menschen, die diesen Raum mit mir teilen.  Die Zeit wird kostbar gehandelt, dennoch wird nicht gehetzt, sondern in der Vorstellungsrunde konzentriert auf den Punkt gebracht, worum es gehen soll.  Alle sind nun Gestalter des Lernraumes der sich vor ihnen auf der Sessionwand entfaltet als TEILGEBENDE.

Ich war gar nicht vor Ort – in Köln- und doch konnte ich ANTEILNEHMEN. Parallel konnte jeder, der wollte über das socialnet Twitter participieren, denn dieser spannende Bildungsprozess fand nicht exklusiv hinter verschlossenen Türen statt, sondern wurde der Öffentlichkeit transparent gemacht, eben MITGETEILT.

Teilweise kamen die Mitteilungen eher einem sich selbst feiernden Retweet-Twitterreigen gleich, dennoch konnte ich am heimischen Laptop die Freude über diese auf allen Ebenen innovative BildungsKreativwerkstatt mit den Worten von:

@nkk_68 :“ #ecco12 lesen macht echt Spaß – fast als ob man dabei wär!„ teilen.

Neben den Fragen und Antworten, was Schule für die digitale Zukunft braucht, wie man den Kindern in dieser Zeit der Medialisierung gerecht werden kann,  was noch an Bildungsplänen benötigt wird und was dringend entsorgt werden sollte, wie neue Medien in die Schule eingeführt, dort im Unterricht eingesetzt werden können, welche Kompetenzen Lehrer dafür benötigen und wer diese Lehrer ausbilden soll, ganz zu schweigen von der Finanzierung dieser „didaktischen-digitalen Wende“  ebenso wie die Finanzierung dieses Camps,  findet sich die Quintessenz für mich in einem Zitat von Guido Brombach (Mitorganisator) wieder:

„Die Art und Weise, wie hier dieses Camp funktionierte, mit erwachsenen Menschen natürlich, das funktioniert auch mit Kindern und Jugendlichen. Und es wäre sehr gut, wenn wir mit denen relativ früh anfangen, ihre Bildungssozialisation mit solchen Möglichkeiten des Lernens zu verbinden, weil sie dann später in der Uni, wenn sie in Reihen sitzen, aufstehen und sagen: So kann ich nicht lernen.“

Ich glaube,  ecco 12  war so etwas wie ein „Edubrain“, zur richtigen Zeit mit der richtigen Kraft am richtigen Ort.  Einzelne Menschen kamen mit ihrer eigenen Idee von Bildung zusammen mit positiver Erwartungshaltung nach Köln, bekamen Informationen und Kontakt in sessions und den Frei-Räumen drumherum, interagierten,  formierten sich in kleinen Netzwerken, deren Verbindungen durch geteilte Begeisterung  und kritischen Diskurs stabiler werden.  Und teilten es den anderen und der Welt mit: Think- Pair- Share, so funktioniert Lernen- im Kleinen wie im Großen.

Ich hoffe, dass dieses Format mehr und mehr einzieht in verstaubte Bildungsräume, in denen es oft vorwärts im Rückwärtsgang geht,nach der Maxime: wenn wir wollen dürften, was wir könnten.

Wer solche aufregenden und glücklich machenden Prozesse im selbst gestalteten Lernraum erlebt hat, dem wünsche ich den Mut sie auch anderen zuzumuten und die Freude mit ihnen zu teilen im Sinne: du darfst, wenn du willst, denn du kannst!

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Der inklusive Raum – Ein persönlicher Blick auf den dritten Pädagogen

Letztens fuhr ich einen meiner Söhne an seinen Lern- und Lebensort zu seiner Reifeprüfung, schaute durch die Fenster in die Bildungswaben und sah ihn – den leeren Raum. Allerdings anders als Peter Brook es meinte, um Raum für das Wesentliche zu lassen. Mich überkam wieder einmal das Gefühl,  dass Form und Inhalt hier nur suboptimal aufeinander abgestimmt sind. Der Klassenraum – ein Paradoxon, gleichzeitig leer und doch voll? Gradlinig stehen Tische und Stühle, vorn die Tafel, ein Regal an der Wand, die Möbel dominieren.

Leer ist der Raum, dieser dritte Pädagoge, dezent im Hintergrund, dennoch – an Atmosphäre, die zum Denken und sich Entäußern einlädt.  Wohlfühlen? Kreativität? Hier vielleicht eher ein Vakuum.

Beim  Besuch im virtuellen Raum fällt mein Blick auf einen Artikel der Financial Times Deutschland.

(Hier in Gänze: http://bit.ly/w92VJn ) Er beschreibt eine innovative Methode um neue kreative Prozesse zu impulsieren, die sowohl „menschlich-wünschenswert“,  „wirtschaftlich-vermarktbar“ als auch „technisch-machbar“ sind.  Durch bestimmte Abläufe werden Experten unterschiedlicher Berufsfelder im Team zu thematischen Kollaborateuren.

Soweit so gut- und der leere Raum? Die Beschreibung, der „Denkräume“, damit diese „Think-Designer“ auch im Flow  wirkliche Innovationen generieren, war es, die mich fesselte:

Place – People – Process

Der Leiter der School of Design Thinking am Hasso Plattner Institut Potsdam, Ulrich Weinberg beschreibt die wesentlichen Design-Thinking-Elemente gern mit der Kurzform „Place – People – Process“. Denn neben dem eigentlichen Denkansatz, der sich am Entwicklungsprozess von Kreativen orientiert, stehen neben dem Findungsprozess für die beste Lösung vor allem das Team und die Umgebung im Vordergrund.

Zum Raum, in dem neue Ideen geboren werden und laufen lernen sollen, sagt er: „Wohlfühlen, aber auch Mobilität und Flexibilität spielen eine große Rolle. Sobald jemandem ein Gedankenblitz kommt, muss es nicht nur möglich sein, ihn schriftlich festzuhalten. Es muss Material da sein, mit dem ein Bild oder ein erstes Modell erstellt werden kann, das die Idee plastisch macht und weitere Ideen anstößt: Bauklötzchen, Knetmasse, Papier und Karton. Außerdem muss tatsächlich Raum sein, damit die Leute sich und ihre Ideen ausbreiten können. Kreatives Chaos ist dabei ausdrücklich willkommen“, sagt Weinberg, der sich selbst gern mit einer Informations-Armada auf bunten Post-its umgibt.

Aha, Bauklötzchen und Knetmasse hat man sonst in Schulen noch gern als anschauliches Material in der Förderschule oder in offenen Eingangsphasen innovativer Grundschulen. Aber spätestens wenn die Schulartempfehlung naht, sitzen die Schüler den Vormittag über an ihren Tischen und arbeiten schreibend in ihren Heften.  Handelndes, exploratives Brainstorming wie im Design Thinking beschrieben, kreatives Chaos ist in der Schule bis auf wenige Ausnahmen selten zu erleben.  Wie schade!

Es klingt aufregend, wenn erwachsene Menschen in Teams wieder kreative Methoden anwenden, um gemeinsam Neues zu erschaffen. Hier gibt es Endorphinausschüttung, sozialen Kontakt, Neugierde auf den anderen Experten und seine Sichtweise, Wachheit im Zuhören, Spass im Ausprobieren, Kein Richtig/ Falsch- Modus,  die Benutzung beider Gehirnhälften, endlich auch der rechten Hemisphäre, die räumlich- konstruktiv denkt, ganzheitlich und bildlich impulsiert.

Ich frage mich: warum muss ich erst wieder erwachsen werden, um diesen Frei-Raum zu erobern? Und was ist mit dem Mobiliar?

„Flink auf den Füßen, flexibel im Kopf -Um diesen Kriterien gerecht zu werden, hat der Multimedia-Fachmann zum Beispiel die „Denkräume“ im eigenen Institut mit Möbeln auf Rollen und Stehtischen ausstatten lassen, damit genügend Platz ist, sich im Raum zu verteilen und sich zu bewegen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gedankliche Beweglichkeit auch etwas mit physischer Beweglichkeit zu tun hat.

Die Psychomotorik lehrt, dass Kinder durch Bewegung lernen, im Design-Thinking erkennt man, dass es Erwachsenen genau so ergeht. Ich komme nicht umhin, dem Erfinder von DesignThinking sonderpädagogische Kompetenzen zu unterstellen.

Ich sehe: DesignThinking ist eine KreativWerkstatt für interdisziplinäre Kollaboration Erwachsener. Das Konzept hat Erfolg. Und es hat finanziellen success und support.

De-signer sein: Zeichen setzen!

Ich stelle mir vor:  DesignDreaming:

  • einen Klassenraum – leer und mit flexiblen Möbeln für blitzeschnelles Umbauen in genau jetzt notwendige Sozialformen
  • eine entsprechend ihrem Alter angemessene Gruppengröße an Kindern unterschiedlicher Herkunft und Begabung- als Experten Ihres Lebens
  • unterschiedlichste Materialien und Medien zur freien Verfügung, damit kreatives Chaos entstehen kann
  • ein Team, welches die Kinder beim „ExploringThinking“ dialogisch begleitet und Vertrauen in ihre Kompetenzen hat
  • finanziellen support durch Menschen, die Zukunft gestalten wollen

und in meinem Traum nenne ich das menschlich-wünschenswert“,  „wirtschaftlich-vertretbar“ als auch „organisatorisch-machbar“  einfach:  Inklusion.

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Die online „Zeitschrift für Inklusion“ bietet Autoren ein Forum, welches auch z.T. sehr kritischen Beiträgen zur aktuellen Entwicklung inklusiver Gesellschaftsveränderungen Raum gibt.

Empfehlenswert !

http://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion/index

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